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Shalom – jüdisches Leben heute!


Sport

Der Münsteraner Tischtennisspieler Tim Artarov bei dem WTTV-Ranglistenturnier 2018, Ostbevern

Der Münsteraner Tischtennisspieler Tim Artarov bei dem WTTV-Ranglistenturnier 2018, Ostbevern © Ulrich Brunner

Das drittgrößte Sportereignis der Welt wird im deutschen Fernsehen nicht übertragen: Bei der „Maccabiah 2022“, den jüdischen „olympischen Spielen“, nehmen tausende Sportler*innen aus aller Welt teil. Einer von ihnen könnte – wieder einmal – das Münsteraner Tischtennis-Ass Tim Artarov (siehe Foto) sein. Schon als 14-Jähriger war er der erfolgreichste Teilnehmer der European Maccabi Games in Berlin: drei Gold- sowie eine Silbermedaille. Bei den 20. World Maccabi Games, der „Maccabiah 2017“ in Tel Aviv, holte Tim Artarov mit den deutschen Makkabi-Junioren die Silbermedaille im Team-Wettkampf. Und bei den 15. European Maccabi Games in Budapest gewann Artarov 2019 zusammen mit Thomas Freydzon, mit dem er beim 1. FC Gievenbeck groß geworden ist, gleich dreimal Gold. Jüdische Sportler*innen in Deutschland gibt es, seit es Sport in Deutschland gibt – eigene jüdische Sportvereine dagegen nicht. Der erste jüdische Sportverein im damaligen deutschen Kaiserreich, „Bar Kochba Berlin“, wurde erst 1898 gegründet. Die vergleichsweise späte Gründung war vor allem eine Reaktion auf den bereits Jahrzehnte vor den Nazis zunehmenden Antisemitismus, der Jüdinnen und Juden als Deutsche zweiter Klasse behandelte und ausgrenzte. Viele Jüdinnen und Juden waren um das Jahr 1900 überzeugt, die Emanzipation und Integration der Jüdinnen und Juden in Europa sei als gescheitert anzusehen. So entstand der „Zionismus“ als jüdische Bewegung zur Gründung eines eigenen Nationalstaats in Palästina aus der Überzeugung, nur ein eigener jüdischer Staat könne dem Antisemitismus ein Ende setzen.

Jüdische Sportvereine wie „Bar Kochba Berlin“ wurden zur Keimzelle der „Makkabi-Bewegung“, die sich bis 1903 als zionistischer Sport-Dachverband in Deutschland etablierte. Die Makkabi-Vereine förderten ein neues Ideal: Die Gründer des künftigen Judenstaates sollten sportlich, muskulös und hart arbeitend sein – und damit gut auf ein hartes Leben in Palästina vorbereitet werden. Die Namensgebung bezog sich auf den als Helden verehrten Judas Makkabäus und seine Gefolgsleute (daher „Makkabäer“), die im 2. Jahrhundert v. Chr. gegen die hellenistische Herrscher-Kaste im heutigen Gebiet Israels kämpften – und siegten. Auf den Sieg der aufständischen Makkabäer und die Rückeroberung des Tempels von Jerusalem geht auch das jüdische Chanukka-Fest zurück.

1921 war „Makkabi Deutschland“ Gründungsmitglied der „Makkabi Weltunion“, die 1932 die erste „Makkabiade“ als eine Art jüdische olympische Spiele in Tel Aviv ausrichtete. Ab den 1920er Jahren waren die Makkabi-Vereine aber nur ein Teil des jüdischen Sportlebens in Deutschland. Viele Vereinsgründungen dieser Zeit schlossen sich in den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg zum Beispiel dem Reichsbund jüdischer Frontsoldaten oder dem Verband jüdisch neutraler Turn- und Sportvereine Westdeutschlands (Vintus) an.

In Deutschland griffen nach der Shoa neugegründete Sportvereine die Makkabi-Tradition auf, 1965 wurde Makkabi Deutschland in Düsseldorf als neuer Dachverband gegründet. Die heute rund 30 aktiven deutschen Makkabi-Vereine haben nach 1990 auch einen wichtigen Beitrag zur Integration der jüdischen Einwanderer*innen aus Osteuropa geleistet. Die meisten Makkabi-Vereine stehen ganz selbstverständlich auch nicht-jüdischen Sportler*innen offen. Im September 2021 treffen sich (wenn der Verlauf der Pandemie dies zulässt) rund 600 Sportler*innen aus mehr als 20 Makkabi-Ortsvereinen in Düsseldorf zu den „MAKKABI Deutschland Games“, hinzu kommen zahlreiche internationale Makkabi-Delegationen. Wettbewerbe finden in zwölf verschiedenen Sportarten statt. Bereits 2016 fanden die Deutschen Makkabi Meisterschaften in Duisburg statt, 2018 gab es eine Deutsche Jugendmakkabiade in München.

Zum Festjahr „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ hat das Deutsche Fußballmuseum in Dortmund eine Wanderausstellung mit dem Titel „Im Abseits. Jüdische Schicksale im deutschen Fußball“ konzipiert. Gezeigt werden Lebensgeschichten von elf jüdischen Fußballspielern und -pionieren, die in der Zeit der Nazi-Zeit dramatische Brüche erlebten. Das Deutsche Fußballmuseum möchte mit der Ausstellung auch ein klares Zeichen gegen Antisemitismus setzen, der im Fußball unverändert weit verbreitet ist. Längst noch nicht alle Vereine in Westfalen und dem Rheinland haben ihre Geschichte und Gegenwart entsprechend in den Blick genommen.

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