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Gesundheit und Soziales


Assistierte Reproduktion
Förderung von Kinderwunschbehandlungen

Mit einem Zuschuss zu den Behandlungskosten unterstützen das Land Nordrhein-Westfalen und der Bund Paare, die ungewollt kinderlos bleiben. Das Ziel dieser finanziellen Unterstützung liegt darin, den Zugang zur Reproduktionsmedizin für alle Paare mit unerfülltem Kinderwunsch zu erleichtern.

Die gesetzlichen Krankenversicherungen finanzieren in der Regel nur 50% der Kosten für eine Kinderwunschbehandlung von Ehepaaren. Nicht verheiratete Paare werden überhaupt nicht von gesetzlichen Krankenversicherungen gefördert. Der Bund und das Land NRW haben sich daher zusammengeschlossen, um die Paare durch die Förderung zu entlasten.

Eine verbindliche Einschätzung über die Förderfähigkeit kann nur auf der Grundlage eines Förderantrags mit allen erforderlichen Anlagen gegeben werden.

Informationen zum Verfahren


Welche Art von Behandlung wird gefördert?

Sie können einen Zuschuss nur für Behandlungen nach Art der In-Vitro-Fertilisation (IVF) und der Intrazytoplasmatischen Spermieninjektion (ICSI) erhalten.

Bei der In-Vitro-Fertilisation (IVF) – lateinisch für „Befruchtung im Glas“ –  werden zunächst Eizellen aus den Eierstöcken der Frau entnommen. Außerhalb des Körpers werden sie dann in einer Glasschale mit zuvor gewonnenen Samenzellen zusammengebracht. War die Befruchtung erfolgreich, wird eine, manchmal auch zwei oder drei der befruchteten Eizellen zwei Tage später in die Gebärmutter der Frau eingebracht.

Die Intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI) wird angewendet, wenn Zustand und Beschaffenheit der Spermien für eine Befruchtung nicht ausreichen. Bei der ICSI wird eine Samenzelle direkt in die zuvor aus dem Eierstock entnommene Eizelle injiziert. Die befruchtete Eizelle wird anschließend wieder in die Gebärmutter eingebracht.


Welche Kosten übernehmen die Krankenversicherungen?

  • Gesetzliche Krankenversicherung
    Die gesetzliche Krankenversicherung übernimmt in der Regel 50% der Behandlungskosten für die ersten drei Versuche. Es ist bei der eigenen Krankenversicherung nachzufragen, wie hoch der Anteil der Kostenübernahme ausfällt.
  • Private Krankenversicherung
    Die Bestimmungen der privaten Krankenkassen sind sehr unterschiedlich. Es ist bei der eigenen Krankenversicherung nachzufragen, wie hoch der Anteil der Kostenübernahme ausfällt.

Wer kann einen Zuschuss beantragen?

Sie können einen Zuschuss beantragen, wenn

  • Sie verheiratet sind oder in einer auf Dauer angelegten heterosexuellen Lebensgemeinschaft leben.
    Eine auf Dauer angelegte Lebensgemeinschaft lässt keine weiteren Lebens­gemein­schaften zu und zeichnet sich durch eine innere Bindung aus. Sie ist dann anzunehmen, wenn nach Einschätzung der behandelnden Ärztin oder des behandelnden Arztes die unverheiratete Frau mit dem unverheirateten Mann in einer fest­gefügten Partner­schaft zusammenlebt (vgl. Bundesförderrichtlinie).
  • Ihr Hauptwohnsitz in NRW liegt und
  • Sie mindestens 25 Jahre alt sind und zu Beginn der Kinderwunschbehandlung jünger als 40 Jahre (Frauen) bzw. jünger als 50 Jahre (Männer) sind.

Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein?

  • Es dürfen lediglich die eigenen Ei- und Samenzellen für die Behandlung verwendet werden.
  • Es muss eine ärztliche Beratung über die medizinischen und psychosozialen Aspekte der Kinderwunschbehandlung stattgefunden haben. Diese Beratung wird in der Regel durch den behandelnden Facharzt oder die behandelnde Fachärztin erfolgen, bevor Sie die Überweisung zu einer Kinderwunschklinik erhalten. Beachten Sie dabei bitte, dass der beratende Arzt bzw. die beratende Ärztin die Kinderwunschbehandlung nicht selbst durchführen darf.
  • Eine ärztliche Erklärung (Attest) Ihres Facharztes (z.B. Frauenarzt) oder der Kinderwunschklinik muss vorliegen, nach der die Kinderwunschbehandlung erforderlich ist und hinreichende Aussicht besteht, dass durch die Behandlung eine Schwangerschaft herbeigeführt wird.
  • Die Kinderwunschbehandlung muss in einer Klinik oder bei einem Arzt/einer Ärztin mit Sitz in NRW durchgeführt werden.
  • Eine verbindliche Vereinbarung über die Durchführung der Kinderwunschbehandlung (Behandlungsvertrag oder Patientenerklärung) darf erst nach Erhalt eines Zuwendungsbescheids unterschrieben werden.

Wie häufig kann ein Zuschuss beantragt werden?

Ihnen kann ein Zuschuss für den 1. bis 4. Behandlungszyklus einer IVF- oder ICSI-Behandlung bewilligt werden. Bitte beachten Sie, dass jeder Zyklus einzeln zu beantragen ist. Erst wenn ein Versuch erfolglos war, können sie den nächsten Zyklus beantragen. Bitte beachten Sie, dass nur ein Behandlungszyklus pro Verfahren gefördert wird! Ein nicht vom Land Nordrhein-Westfalen geförderter Behandlungszyklus zählt dabei mit.

Sofern eine klinisch nachgewiesene Schwangerschaft eingetreten ist, ohne dass es zur Geburt eines Kindes gekommen ist, wird dieser Behandlungsversuch nicht angerechnet. Ein Wiederholungsversuch ist dann möglich.

Nach der Geburt eines Kindes können erneut die ersten vier Behandlungszyklen einer weiteren Kinderwunschbehandlung gefördert werden.


Wie können Sie den Zuschuss erhalten?

Unabhängig von Ihrem Wohnsitz in NRW müssen Sie den Antrag für die Zuwendung bei der Bezirksregierung Münster stellen.

Beachten Sie dabei, dass Sie für jeden Behandlungszyklus einen gesonderten Antrag stellen müssen.

Wenn Ihr Antrag bewilligt wird, erhalten Sie einen Zuwendungsbescheid. Dann beginnt ein Bewilligungszeitraum von 12 Monaten. Innerhalb dieses Zeitraumes kann die Zuwendung ausgezahlt werden.

Nach Erhalt des Zuwendungsbescheides müssen Sie Ihre Behandlung innerhalb von 4 Wochen begonnen und spätestens nach 6 Monaten abgeschlossen haben.

Wenn die Rechnungen und Rezepte für den Behandlungszyklus mit Ihren Krankenversicherungen, ggf. auch Beihilfe- und Heilfürsorgestellen abgerechnet sind, müssen Sie innerhalb von 2 Wochen den Antrag auf Auszahlung der Zuwendung bei uns stellen, um Ihren Zuschuss zu erhalten. Dies muss spätestens 2 Wochen vor Ende des Bewilligungszeitraumes erfolgen. Später eingehende Auszahlungsanträge können nicht mehr zur Auszahlung kommen.

Die Förderung kann ausschließlich mit einem hierfür vorgegebenen Antragsformular beantragt werden.

Bitte nutzen Sie das elektronische Online-Verfahren (Service-Modul in der rechten Spalte), um das Bewilligungs- und Auszahlungsverfahren zu beschleunigen.

Antragsformulare für das Bewilligungs- und das Auszahlungsverfahren in Papierform können Sie über unsere Hotline, das E-Mail-Postfach oder schriftlich unter der folgenden Adresse anfordern:

Bezirksregierung Münster
Dezernat 28.7
48128 Münster


Welche Unterlagen sind erforderlich?

Bitte reichen Sie als Anlagen zu Ihrem Antrag nur Kopien ein. Originale können nicht zurückgeschickt werden.

  • Meldebescheinigungen oder Personalausweiskopien beider Partner
  • Ärztliche Erklärung der Erforderlichkeit und Erfolgsaussichten der Behandlung entsprechend § 27a Abs. 1 Nr. 1 und 2 SGB V (nicht erforderlich, soweit die Genehmigung des Behandlungsplans durch die gesetzliche Krankenversicherung vorgelegt wird)
  • Behandlungsplan/Kostenplan der Kinderwunscheinrichtung über die voraussichtlich entstehenden Behandlungskosten einschließlich der verordneten Arzneimittel
  • Genehmigung des Behandlungsplans (nur erforderlich bei gesetzlich versicherten Ehepaaren für den 1. bis 3. Behandlungszyklus)
  • Kostenübernahmeerklärungen von privaten Krankenversicherungen, Zusatzversicherungen, Beihilfe- und Heilfürsorgestellen (falls zutreffend)
  • Ablehnende Bescheide von privaten Krankenversicherungen, Zusatzversicherungen, Beihilfe- und Heilfürsorgestellen sowie der gesetzlichen Krankenversicherungen (falls zutreffend)
  • Bei unverheirateten Paaren ist nach Einschätzung der behandelnden Ärztin oder des behandelnden Arztes festzustellen, dass das Paar in einer auf Dauer angelegten nichtehelichen Lebensgemeinschaft zusammenlebt. Diese Feststellung hat formlos zu erfolgen und ist bei der reproduktionsmedizinischen Einrichtung zu hinterlegen.

Wie hoch kann der Zuschuss ausfallen?

Ehepaare

1. bis 3. Behandlungszyklus

  • 50 % vom Eigenanteil
    Obergrenze pro IVF-Behandlungszyklus 800 €
    Obergrenze pro ICSI-Behandlungszyklus 900 €

Der Eigenanteil ist der Anteil an den Behandlungskosten, der nach Abrechnung mit den gesetzlichen und/oder privaten Krankenversicherungen sowie ggf. den Beihilfestellen/Heilfürsorgestellen oder einem anderen Leistungsträger übrigbleibt.

4. Behandlungszyklus

  • 50 % vom Eigenanteil
    Obergrenze pro IVF-Behandlungszyklus 1.600 €
    Obergrenze pro ICSI-Behandlungszyklus 1.800 €

Der Eigenanteil ist der Anteil an den Behandlungskosten, der nach Abrechnung mit den gesetzlichen und/oder privaten Krankenversicherungen sowie ggf. den Beihilfestellen/Heilfürsorgestellen oder einem anderen Leistungsträger übrigbleibt.

Nicht eheliche Lebensgemeinschaften

1. bis 3. Behandlungszyklus

  • 25 % vom Eigenanteil
    Obergrenze pro IVF-Behandlungszyklus 800 €
    Obergrenze pro ICSI-Behandlungszyklus 900 €
  • Pauschaler Zuschlag von 240 € bei IVF und 270 € bei ICSI

Der Eigenanteil ist der Anteil an den Behandlungskosten, der nach Abrechnung mit den gesetzlichen und/oder privaten Krankenversicherungen sowie ggf. den Beihilfestellen/Heilfürsorgestellen oder einem anderen Leistungsträger übrigbleibt.

Der pauschale Zuschlag für nicht eheliche Lebensgemeinschaften wird nur gewährt, wenn diese nachweisen können, dass sie keine anderweitige Förderung durch die gesetzlichen oder privaten Krankenversicherungen bzw. Beihilfestellen/Heilfürsorgestellen oder weitere Leistungsträger erhalten.

4. Behandlungszyklus

  • 50 % vom Eigenanteil
    Obergrenze pro IVF- Behandlungszyklus 1.600 €
    Obergrenze pro ICSI- Behandlungszyklus 1.800 €

Der Eigenanteil ist der Anteil an den Behandlungskosten, der nach Abrechnung mit den gesetzlichen und/oder privaten Krankenversicherungen sowie ggf. den Beihilfestellen/Heilfürsorgestellen oder einem anderen Leistungsträger übrigbleibt.


Wichtig: Welche Reihenfolge ist einzuhalten?

Bitte beachten Sie, dass Sie keinen Zuschuss erhalten, wenn Sie vor Eingang des Bewilligungsbescheides einen Behandlungsvertrag abschließen und/oder eine Patientenerklärung mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin unterzeichnen.  Dies gilt für jeden einzelnen Antrag.

  1. Ärztliche Beratung über die Behandlung, insbesondere über die medizinischen und psychosozialen Aspekte durch eine Ärztin, die die Behandlung nicht selbst durchführt, oder einen Arzt, der die Behandlung nicht selbst durchführt.
  2. Einholung einer ärztlichen Erklärung über die Erforderlichkeit und die Erfolgsaussichten der Behandlung.
  3. Erstellung eines Behandlungsplans inklusive Kostenaufstellung oder eines Kostenplans durch die behandelnde Ärztin bzw. den behandelnden Arzt der Kinderwunscheinrichtung; aber kein Abschluss eines Behandlungsvertrags.
  4. Einholen der Genehmigung oder Ablehnung des Behandlungsplans bei gesetzlichen Krankenversicherungen bzw. Einholen der Kostenübernahmeerklärungen oder deren Ablehnung bei privaten Krankenversicherungen und ggf. bei Beihilfestellen/Heilfürsorgestellen oder bei einem anderen Leistungsträger.
  5. Antrag auf Bewilligung des Zuschusses bei der Bezirksregierung Münster.
  6. Zuwendungsbescheid der Bezirksregierung Münster abwarten.
  7. Erst danach: Behandlungsvertrag mit der Kinderwunscheinrichtung über den geförderten Behandlungszyklus abschließen und/oder eine Patientenerklärung zwischen dem Arzt oder der Ärztin und der Patientin oder dem Patienten für den jeweiligen Behandlungszyklus abgeben. Ebenso dürfen Rezepte erst eingelöst werden, nachdem der Zuwendungsbescheid zugestellt worden ist.
  8. Behandlungsbeginn spätestens 4 Wochen nach Zugang des Zuwendungsbescheids, Abschluss der Behandlung innerhalb eines im Zuwendungsbescheid festgelegten 6-Monats-Zeitraums.
  9. Rechnungen und Belege über Behandlungskosten bei Krankenversicherungen und ggf. Beihilfestellen/Heilfürsorgestellen oder bei einem anderen Leistungsträger einreichen (sofern die Kostenübernahme erklärt worden ist).
  10. Antrag auf Auszahlung des Zuschusses bei der Bezirksregierung Münster mit
    • Rechnungen,
    • Nachweisen über die Kostenerstattungen durch o.a. Leistungsträger und
    • dem Behandlungsvertrag
      → Innerhalb von 2 Wochen nach Eingang der letzten Abrechnung der gesetzlichen oder privaten Krankenversicherung und ggf. anderer Leistungsträger für den betreffenden Behandlungszyklus
      → Spätestens 2 Wochen vor Ablauf des 12-monatigen Bewilligungszeitraums.
  11. Auszahlung des Zuschusses durch die Bezirksregierung Münster.

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