Jugendliche auf Fahrrädern

Hauptinhalt

Literaturcafé

Jugendlicher als Vampir verkleidet erschreckt Jugendlich

3.3 Literaturcafé
Schreibwerkstatt: Einmal Transsilvanien – und zurück?

Projekt für die Jahrgangsstufen 5 – 13

Rumänien! Und ein Zwischenhalt in Czernowitz in der Ukraine. Mit vierzehn zu zwölf Stimmen gegen Hiddensee. In der letzten Abstimmung. Nesibe haute mit der Faust auf den Tisch: Das konnte doch alles nicht wahr sein! London, Paris oder Berlin waren Ziele für Abschlussfahrten. Zur Not noch der Gardasee. Aber Rumänien? Osteuropa?
„Vielleicht wird’s ja ganz cool“, meinte Kamil, ihr Banknachbar. Der kam aus Polen, kannte sich also irgendwie aus. „Jedenfalls ist da alles viel billiger“, fuhr er fort, „auch das Bier.“

„So integriert bin ich auch noch nicht.“ Nesibe zog sich schlecht gelaunt ihr Kopftuch zurecht.

Vorn ergriff Frau Popa wieder das Wort. Frau Popa gab Deutsch in der Klasse und hatte im Vorfeld durchblicken lassen, dass ihr der Vorschlag Rumänien mit ein bisschen Czernowitz sympathisch war. „Bukowina und Siebenbürgen“, hatte sie gesagt, „da lässt sich literarisch was draus machen.“ Nesibe hatte da schon gestöhnt und Kamil flüsternd davon in Kenntnis gesetzt, wie total schwachsinnig sie es finde, dass Fahrten immer nur dann gut seien, wenn sie als pädagogisch wertvoll durchgingen. Shopping in London – das wär‘ geil gewesen. Aber nun hatten sich die Schleimer durchgesetzt und für Frau Popas Rumänien mit ein bisschen Czernowitz gestimmt. Für den Rest des Tages war Nesibe nicht mehr bei der Sache. Sie musste erstmal Osteuropa verdauen.

***
Die Wochen danach verliefen ereignisarm, was die Abschlussfahrt anging, sah man einmal davon ab, dass Frau Popa irgendwann einen Elternbrief austeilte, auf dem ein erster Programmentwurf, die Adressen zweier Jugendherbergen, eine in Czernowitz, die andere in Schäßburg (Frau Popa hatte auch die heutigen Ortsnamen „Tscherniwzi“ und „Sighisoara“ aufgenommen), und die Kontonummer mit dem zu überweisenden, tatsächlich nicht sehr hohen Betrag für die Fahrt notiert waren. Und im Deutschunterricht hatte sie ein paar kürzere Texte ausgeteilt von Autoren, deren Namen Nesibe noch nie gehört hatte: Paul Celan, Rose Ausländer, Edgar Hilsenrath, Herta Müller, Joseph Roth, Manès Sperber, Bruno Schulz, Ursula Ackrill und noch ein paar mehr.

Neben Frau Popa würde noch Dr. Zwingenberg mitfahren; als männliche Begleitung. Der gab Englisch in der Klasse, was ihn, wie Nesibe zunächst fand, nur bedingt für die Fahrt nach Osteuropa qualifizierte. Dann allerdings sah sich Nesibe genötigt, ihre Einstellung noch einmal zu überdenken: als nämlich Dr. Zwingenberg eine Englischstunde dazu nutzte, den Namen „Bram Stoker“ an die Tafel zu schreiben und dann noch dessen wichtigsten Buchtitel „Dracula“, und neben anderem darauf hinwies, dass Siebenbürgen „im Prinzip“ Transsilvanien sei. Sie würden also just dahin reisen, wo die Vampire tanzten. Zwar hielt das mindestens die Hälfte der Klasse für Kinderkram, aber Nesibe und Kamil waren sich einig, dass die ganze Sache doch noch spannend zu werden versprach.
***

Und so standen sie ein paar Tage später noch ein wenig aufgeregter als die anderen am Bus. Bus und Busfahrer sahen so aus, als ob sie sich im Osten auskannten. Das Gepäck war schnell verstaut, und bald setzte sich der Bus in Bewegung. Der Fahrer legte Helene Fischer auf. Nesibe drehte sich Ohropax in die Ohren, setzte ihre Schlafbrille auf und war bald eingeschlafen. Sie träumte zuerst ein bisschen von Big Ben und dem Eiffelturm, dann aber von einem Schloss inmitten eines ziemlich dicht bewachsenen Waldes und heftigen Gewittern und ungewöhnlich geformten Eckzähnen… Nach einer gefühlten Ewigkeit kamen sie an. „Das nächste Mal ziehe ich Thrombosestrümpfe an“, meinte Kamil trocken, und Nesibe musste lachen.

Der Zwischenhalt in Czernowitz verlief reibungslos. Sie besichtigten unter anderem das Paul Celan-Haus und den jüdischen Friedhof, und nachdem sie – schon aus Prinzip – einen halben Tag vor sich hingegrummelt hatte, musste Nesibe sich eingestehen, dass der Ort Charme hatte und sie sich tatsächlich auf einer ziemlich spannenden Zeitreise befanden.

Zwei Tage später machten sie sich auf den Weg ins 200 Kilometer südlich gelegene Siebenbürgen. Nesibe und Kamil waren sich einig, dass sie – wenn sie schon einmal da waren – der Sache mit den Vampiren auf den Grund gehen mussten. Einen konkreten Plan hatten sie noch nicht. Sie wollten zunächst mal die Gegend erkunden, dann würde sich alles Weitere schon ergeben. Das war aber gar nicht so einfach. Frau Popa und Dr. Zwingenberg hatten ein Programm ausgearbeitet, das es in sich hatte: Kajak- und Fahrradtouren, Wanderungen, Burgen und Kirchen – das war hier alles eins und hieß „Kirchenburgen“ –, dazu Museen und ein Ausflug nach Hermannstadt. Die Tage waren einfach vollgepackt. Dann eben nachts: „Vampire haben tagsüber ohnehin Pause, das sind Nachtarbeiter“, hatte Nesibe das knapp kommentiert. Sie einigten sich auf die letzte Nacht. „Da machen alle durch“, hatte Kamil mit dem Ausdruck des Kenners, der schon mindestens zwanzig Abschlussfahrten hinter sich hat, festgestellt. „Jedenfalls fällt es dann nicht so schnell auf, wenn wir nicht da sind“, hatte er hinzugefügt.

Und so schlichen sie am letzten Abend, als es dunkel genug war, aus der Jugendherberge und rannten Richtung Wald. Nesibe dachte jetzt doch, dass das Ganze eine ziemliche Schnapsidee sei, sagte aber nichts, um nicht als Weichei dazustehen. Kamil wirkte aber auch nicht so abgeklärt wie sonst. Der Wald war verdammt dicht. Und dunkel. Man konnte kaum den Himmel sehen, obwohl es klar war. Und Vollmond. Nesibe griff nach Kamils Hand, der seine nicht wegzog. Das hier ging nur zu zweit, so viel war klar. Nesibe fror ein wenig. Sie dachte an Twilight. Natürlich hatte sie alle Teile gesehen. Kamil auch. „Lächerlich eigentlich, dass wir Angst haben. Vampire gibt’s nicht. Und wenn, dann machen sie keine Waldspaziergänge“, flüsterte er und ließ Nesibes Hand kurz los, um sich die Nase zu putzen. Als er wieder nach ihrer Hand greifen wollte, fasste er ins Leere. Nesibe war verschwunden.

Wie alle Geschichten fängt diese Geschichte des Bochumer Autors Christopher Wulff irgendwann an – und irgendwann hört sie wieder auf. Problem ist nur, dass sie da, wo sie aufhört, definitiv noch nicht zu Ende ist. Wird Kamil Nesibe wiederfinden? Und was erlebt Nesibe allein im Vampirwald? Geht die ganze Klasse auf die Suche?

Diese und andere Fragen bleibt der Autor schuldig. Und deshalb müsst Ihr Eure grauen Zellen in Schwung bringen und Eure Phantasie aktivieren! Gibt es ein Zurück aus Transsilvanien?

Eure Aufgaben

Jahrgangsstufen 5 – 13

Knüpft an den Erzählanfang an und verfasst Euer eigenes Stück Literatur. Die Form Eures Textes bestimmt Ihr selbstverständlich selbst. Schreibt also eine Erzählung, eine Novelle, einen Roman, ein Tagebuch, eine Briefsammlung, ein Manga, eine Graphic Novel – oder auch ein Theaterstück, ein Hörspiel oder ein Filmdrehbuch usw. Vergesst nicht, Euren Text sorgfältig zu korrigieren und in eine ansprechende äußere Form zu bringen, bevor Ihr ihn abschickt.

Fachbereiche

Arbeitsgemeinschaften für kreatives Schreiben, Deutsch, Literatur, Kunst (auch fächer- und jahrgangsstufenübergreifend)

Arbeitsformen

Einzelarbeiten, Partnerarbeiten, Gruppenarbeiten

Service-Bereich, Kontaktformular, Inhaltsverzeichnis

Navigation

 
Move Schließen
\
Expand
Zurück Zurück Weiter Weiter
{pp_gallery_content}