S.O.S. – Schiff in Seenot!
Jahrgangsstufen 1 – 13
Sturm über der Ostsee! Wie eine Nussschale schlingert ein Boot über die Wellen. Das Schiff droht zu kentern. Menschen kreischen in tiefster Not. Am Strand stehen Menschen und sehen mit Entsetzen, wie das Schiff in der aufgewühlten See zu kentern droht.
Da rennen die ersten los und holen ein Rettungsboot, mit dem sie den Ertrinkenden zu Hilfe kommen wollen.
Solche Szenen gibt es, seit Menschen mit Schiffen auf den Weltmeeren unterwegs sind, und es ist heute ein wichtiger Grundsatz des Internationalen Seerechts, dass Schiffbrüchigen immer zu helfen ist.
Das war früher oft nicht ganz einfach, denn wer hatte am Strand schon spontan ein Rettungsboot zur Verfügung? Vor mehr als 200 Jahren begannen daher Menschen unter anderem in den preußischen Ostseestädten, private Rettungsstationen einzurichten, um für den Notfall Boote zur Verfügung zu haben. Eine der ersten dieser Stationen entstand 1802 in Memel, dem litauischen Klaipėda. Mehr als 60 Jahre später schlossen sich im Jahr 1865 viele lokale und regionale Rettungsvereine in Kiel zur Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) zusammen, die bis heute auf Nord- und Ostsee unterwegs ist, um Menschen in Seenot zu helfen. Sowohl die deutschen Seenotretter als auch ihre Kollegen in anderen Ländern sind in der Regel durch das internationale Kürzel SAR (Search and Rescue – Suchen und Retten) gekennzeichnet.
Ach ja: „S.O.S.“ ruft heute niemand mehr. Weltweit ist inzwischen „Mayday“ das Notsignal im Sprechfunk.
Liebe Schülerinnen und Schüler,
wer auf See in Not gerät, braucht schnelle und verlässliche Unterstützung. Schon ein kleiner Defekt kann sich auf dem Wasser schnell zu einer gefährlichen Situation entwickeln. Wir Seenotretter der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) sind 365 Tage im Jahr rund um die Uhr einsatzbereit – auf Nord- und Ostsee. Wenn Menschen Hilfe brauchen, sind wir da.
Heute wirkt das selbstverständlich, aber das war nicht immer so: Vor über 160 Jahren, vor der Gründung der DGzRS, gab es kein organisiertes Rettungswesen.
Ich selbst lebe auf Rügen und arbeite auf dem Darß. Aus eigener Erfahrung weiß ich: Die Ostsee kann rau, unberechenbar und gefährlich werden. Zugleich verbindet sie uns über Grenzen hinweg.
In Einsätzen nahe der Grenzen arbeiten wir eng mit den Seenotrettungsdiensten unserer Nachbarländer zusammen – egal ob aus Deutschland, Dänemark, Schweden oder Polen. Wenn ein Notruf eingeht, zählt nur eines: Menschenleben zu retten – gemeinsam und grenzübergreifend. Euer Interesse zeigt, wie wichtig es ist, diese lange Tradition der Seenotrettung weiterzuführen und das Bewusstsein für Sicherheit auf See zu stärken.
Herzliche Grüße
Martin Rakobrandt
2. Vormann, Seenotrettungskreuzer NIS RANDERS,
DGzRS-Station Darßer Ort/Prerow
Ihr seid gefragt Eure Aufgaben
Jahrgangsstufen 1 – 2
- Bastelt in Papierfalttechnik ein Rettungsboot, das Menschen in Seenot vor dem Ertrinken bewahren kann. Welche Ausstattung braucht euer Boot dafür?
- Malt euer Boot in Signalfarben an und gebt ihm einen Namen.
- Schickt uns euer Boot mit der Rettungsausstattung zu!
Jahrgangsstufen 3 – 4
- Bastelt in Papierfalttechnik ein Rettungsboot, das Menschen in Seenot vor dem Ertrinken bewahren kann. Welche Ausstattung braucht euer Boot dafür?
- Malt euer Boot mit vielen Details und in passenden Farben an und gebt ihm einen Namen.
- Gestaltet einen passenden Hintergrund für euer Boot.
- Schickt uns euer Rettungsboot mit dem Hintergrund zu!
Jahrgangsstufen 5 – 8
Um Menschenleben retten zu können, die auf hoher See in Gefahr sind, bedarf es vieler helfender Hände.
- Informiert euch über die Rettungsstationen, die im 19. Jahrhundert an der Ostsee errichtet wurden. Erstellt eine Karte der Ostsee, auf der ihr die Stationen eintragt, und bebildert diese mit historischen Fotos.
- Schaut euch nun an, wo heute an der südlichen Ostseeküste zwischen Travemünde und Klaipėda Rettungsstationen zu finden sind. Kennzeichnet und bebildert auch diese Stationen und zeigt, was ihre Aufgaben sind.
- Traditionell werden Spenden für die DGzRS auch in Spardosen in Form eines Rettungsbootes gesammelt, den Sammelschiffchen. Vielleicht kann hier eine kreative Neugestaltung hilfreich sein: Bastelt eine moderne Form einer solchen Spendenbox, die auch bargeldlos zu reichlicher Unterstützung animiert.
- Schickt uns die Karte in einem passenden Plakatformat und euer kreatives Sammelschiffchen.
Jahrgangsstufen 10 – 13
Am Ende des Zweiten Weltkriegs schlug der von Deutschen begonnene Angriffskrieg auch auf das eigene Volk zurück. Millionen Menschen flüchteten vor der heranrückenden Front im Osten und versuchten sich im Westen in Sicherheit zu bringen. Vor allem Frauen und Kinder hatten die Hoffnung, mit den Schiffen „Wilhelm Gustloff“, „Goya“ und „Steuben“ dem Kriegsgeschehen zu entkommen. Doch die Schiffe wurden auf der Ostsee beschossen und sanken in den eisigen Fluten. Etwa 20.000 Menschen ertranken.
- Recherchiert das Schicksal der Flüchtlingsschiffe, die im Januar und Februar 1945 von den Häfen in Danzig/Gdańsk und Umgebung Richtung Schleswig-Holstein fuhren.
- Erstellt eine Radioreportage über die Geschichte eines dieser Schiffe, die möglichst viele verschiedene Perspektiven zu diesem Ereignis beleuchtet, darunter die Fragen: Welche Lehren wurden aus diesen Unglücken für die Gegenwart gezogen? Wie wird der Opfer heute gedacht?
- Sendet uns eure Reportage als Audio-Datei (maximal 15 Minuten) zu.
Fachbereiche
Deutsch, Literatur, Kunst, Geschichte, Politik, Sozialwissenschaften, Erdkunde, Sachunterricht, Religion, Philosophie, Mathematik, Naturwissenschaften (auch fächer- und jahrgangsstufenübergreifend)
Arbeitsformen
Einzelarbeiten, Partnerarbeiten, Gruppenarbeiten, Facharbeiten (siehe Projekt 6.1)