Bezirksregierung
Münster

Zwei Jugendliche halten eine selbstgebastelte Brücke

Günter Grass und Co. – Worte als Brückenbauer

Jahrgangsstufen 1 – 13

Günter Grass wird 100. Besser: Würde 100. 1927 in Danzig, dem heutigen Gdańsk in Polen geboren und 2015 in Lübeck gestorben, hat der streitbare Schrift­steller und Künstler die deutschsprachige Literaturgeschichte nach dem Zweiten Weltkrieg maßgeblich mitgeprägt. 

Dabei war ihm ein Anliegen besonders wichtig, nämlich angesichts des Krieges, des Mordens, der Verwüstung Verantwortung zu übernehmen dafür, dass sich die Geschichte nicht wiederholt. Was ihn dabei vielleicht am besten beschreibt, ist das Bild des Brückenbauers.

Grass hat sein umfangreiches Werk immer wieder in den Dienst der Annäherung und Versöhnung in Europa zwischen Ost und West gestellt. Damit steht er allerdings nicht allein: Horst Bienek, Uwe Johnson, Paul Celan oder Arno Surminski könnten aus der gleichen Generation genannt werden. Und heute sind es Autorinnen und Autoren wie Herta Müller, Katja Petrowskaja, Iris Wolf, Michael Zeller und viele mehr, die diese Rolle übernommen haben und mit ihrem Schaffen eine Verbindung herstellen zwischen Ost und West und Verständnis füreinander erzeugen.

Eben Brücken bauen! In Zeiten, in denen Unsicherheit herrscht, der Wunsch nach Orientierung beständig wächst, die Gratwanderung zwischen Selbstverwirklichung und Fremdbestimmung schwieriger wird, erweist sich dies als notwendiger denn je! Hannah Arendt hat es auf den Punkt gebracht: „Gewalt beginnt, wo das Reden endet.“ Bauen wir also literarische Brücken in Europa zwischen Ost und West! 

Ihr seid gefragt Eure Aufgaben

Jahrgangsstufen 1 – 5

  1. Überlegt, welche Wörter euch einfallen, wenn ihr an Frieden, Versöhnung, Miteinander, Freundschaft, Verständnis und Interesse für andere denkt.
  2. Bastelt oder malt eine Brücke zwischen Ost und West, deren einzelne Teile aus euren gesammelten Wörtern bestehen.
  3. Schickt uns euer Brückenbild oder eure Brücke.

Jahrgangsstufen 6 – 9

  1. Recherchiert nach Texten von Schriftstellerinnen und Schriftstellern, die Brücken zwischen Ost und West zu bauen versucht haben.
  2. Baut nun eine Brücke, deren Pfeiler und Geländer aus den Zitaten der Texte bestehen, die ihr für besonders aussagekräftig haltet.
  3. Den Bodenbelag, also den Weg, über den man eure Brücke begeht, gestaltet ihr, indem ihr euren eigenen literarischen Text einer Begegnung zwischen Ost- und Westeuropa verfasst.
  4. Schickt uns eure analoge oder digitale Brücke.

Jahrgangsstufen 10 – 13

Günter Grass ist immer wieder angeeckt, weil er klar Position bezogen hat. Auch sorgte sein spätes Geständnis, während des Zweiten Weltkriegs in der Waffen-SS gewesen zu sein, für Unverständnis. Dennoch – oder gerade deswegen – hat er seine Rolle als literarischer Brückenbauer zwischen Ost und West angenommen und ausgefüllt. In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, welche politische Wirkungsmacht Literatur heute noch haben kann.

  1. Beschäftigt euch mit literarischen Ost-West-Brückenbauern seit dem Zweiten Weltkrieg und erstellt als Ergebnis eurer Recherche eine vertonte Präsentation (das kann ein Film, ein Podcast oder ein Radiobeitrag sein).
  2. Rundet eure Präsentation ab, indem ihr euch nun selbst in die Rolle eines literarischen Brückenbauers versetzt: Welches Thema schreit danach, in der heutigen Zeit bearbeitet und zu einer neuen literarischen Brücke zu werden? Skizziert Inhalt und mögliche Ausführung eurer Idee konkret und baut sie als Abschluss in eure Präsentation (Nr. 1) ein.
  3. Schickt uns eure Präsentation.

Fachbereiche 

Deutsch, Literatur, Kunst, Textilgestaltung, Geschichte, Politik, Sozialwissenschaften, Erdkunde, Sachunterricht, Religion, Philosophie (auch fächer- und jahrgangs­stufenübergreifend)

Arbeitsformen 

Einzelarbeiten, Gruppenarbeiten, Partnerarbeiten, Facharbeiten (siehe Projekt 6.1)