Personen vor einer Skulptur

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Shalom – jüdisches Leben heute!


Zweiter Platz
Freiherr-vom-Stein-Realschule, Coesfeld

Übergabe der Urkunde für den zweiten Preis

© Bezirksregierung Münster

Im Frühjahr 2021 tauchten in Coesfeld plötzlich bunte Steine an geschichtsträchtigen Orten auf. Sie lagen zum Beispiel an der Gedenkstele im Schlossgarten und vor dem ehemaligen Kaufhaus der Familie Hertz an der Große Viehstraße 1. Auf den Steinen stand, illustriert mit einer kleinen Zeichnung, immer nur ein einzelnes Wort, das wahrscheinlich alle aus dem ganz normalen Sprachgebrauch kennen. „Techtelmechtel“ zum Beispiel für eine nicht ganz öffentliche Liebesbeziehung. Und „Tohuwabohu“ für komplettes Chaos. Und „Masel“ für überraschendes Glück. Versehen waren die Steine jeweils mit dem Hinweis, dass es sich um Worte aus dem Jiddischen handelt, die bis heute feste Bestandteile der deutschen Sprache sind.

Bei ihrer Recherche nach jiddischen Wörtern stießen die Schülerinnen und Schüler auch auf antisemitische und judenfeindliche Umdeutungen jiddischer Begriffe während der Nazi-Zeit, die bis heute wirksam sind: Im Jiddischen bedeutet das Wort „Mischpoke“ einfach Familie und hat einen freundlichen, warmen Beigeschmack. Die Nazis prägten dem Wort die negative Bedeutung von „dunkler Seilschaft“ auf. „Schachern“ bedeutete im Jiddischen ganz neutral „Handel treiben“ – und nicht etwa „übles feilschendes Geschäftemachen“. Daraus leiteten die Schülerinnen und Schüler die Frage ab: Wissen wir eigentlich immer, was wir sprechen?

Für ihr Projekt konzentrierten sich die Schülerinnen und Schüler auf jiddische Worte, denen eine negative Umdeutung erspart blieb. „Wir hoffen, dass die Steine gefunden werden und auf eine Reise durch Coesfeld gehen, dass sie die Orte wechseln dürfen, von möglichst vielen Menschen gefunden zu werden und dazu anregen, über Gemeinsamkeiten mit dem Judentum nachzudenken“, schrieb die Gruppe zu ihrer Motivation.

Der zweite Preis im Schüler*innenwettbewerb „Shalom – jüdisches Leben heute!“ geht an:

  • Maxim Sentabov
  • Nora Balazsi
  • Pia Meßing
  • Paula Hörbelt
  • Mathilda Elsbecker
  • Emma Götz
  • Emma Terwey

von der Freiherr-vom-Stein-Realschule in Coesfeld für das von ihrer Lehrerin Tanja Unewisse betreute Projekt:

„Jiddische Steinreise“

Die Bewertung der Jury:

„Angeregt durch einen Besuch in der Synagoge Münster, hat die Gruppe sich mit jiddischen Wörtern im deutschen Sprachschatz befasst. Daraus ist ein fächerverbindendes Projekt von Religion und Kunst geworden, das durch die Auslegung der Steine an symbolischen Orten in Coesfeld in die lokale Öffentlichkeit hineinwirkt. In ihrem Projekt gab die Gruppe zudem Tipps, wie weitere „Reise-Steine“ gestaltet werden können, sodass das Projekt noch erweitert werden kann. Während ihres Projektes haben die Schülerinnen und Schüler zudem anhand der antisemitischen Umdeutung jiddischer Begriffe erfahren, wie Hass und Hetze sich in der Sprache niederschlagen können und nahezu unbemerkt noch über viele Jahrzehnte weiter wirksam sein können. Die Jury findet: Gleich auf mehreren Ebenen ein vorbildliches, lehrreiches und sehr gelungen umgesetztes Projekt!“

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