Jugendliche auf Fahrrädern

Hauptinhalt

Literaturcafé

drei Jugendliche halten Bücher

3.4 Literaturcafé
Verbannt, Vertrieben, Verbrannt – Exilliteratur

Projekt für die Jahrgangsstufen 8 – 13

Literatur ist offensichtlich eine ziemlich gefährliche Angelegenheit. Solange es jedenfalls Literatur gibt, gibt es Literatur im Exil, weil Schriftsteller von Anfang an vertrieben oder verbannt und ihre Texte oftmals verbrannt wurden. Man muss da gar nicht zurückgehen bis zu Ovid. Büchner, Heine, Mickiewicz oder Turgenew sind klassische Beispiele für Autoren, die ihre Heimat verlassen mussten, weil ihr Denken und ihre Texte den jeweils Herrschenden nicht geheuer waren und geradezu gefährlich schienen, wenn es um Machterhalt ging. Da soll noch einmal jemand sagen, Literatur sei wirkungslos.

In der deutschen Literaturgeschichte des 20. Jahrhunderts trägt gleich eine ganze Epoche den Namen „Exilliteratur“. Sie fasst vor allem die Werke der Autorinnen und Autoren zusammen, die nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten Deutschland verlassen und in der Folge in fremder Umgebung in einem anderen Sprachraum abgeschnitten von ihren Leserinnen und Lesern arbeiten mussten. Damit verbunden ist quasi das Who’s Who der deutschsprachigen Literatur zumindest der ersten Hälfte des Jahrhunderts, von Heinrich und Thomas Mann über Stefan Zweig, Anna Seghers, Kurt Tucholsky und Bertolt Brecht bis hin zu Leon Feuchtwanger, Franz Werfel und Walter Benjamin, um nur einige ganz wenige zu nennen. Nicht alle haben das Exil überlebt. Und auch nach dem Ende des Nationalsozialismus wurden Schriftsteller in Europa vertrieben, gezwungen, in andere Länder zu gehen, im schlimmsten Fall in einen anderen Sprachraum. In unserem ost-westeuropäischen Zusammenhang sahen zum Beispiel viele Machthaber in Staaten des ehemaligen Ostblocks Autoren als systemgefährdend an: Milan Kundera oder Pavel Kohut aus der Tschechoslowakei, Czesław Miłosz und Slawomir Mrożek aus Polen, Jossif Brodskij und Alexander Solschenizyn aus der UdSSR, Dieter Schlesak und Herta Müller aus Rumänien oder Reiner Kunze und Wolf Biermann aus der DDR sind nur einige Beispiele. Selbst heute sind Schriftsteller nicht allerorts frei, ihrer Kunst unbedrängt nachzugehen.

Manchmal gibt es die Chance zur Rückkehr, meist nicht. Gemeinsam ist allen Schriftstellerinnen und Schriftstellern im Exil, dass sie ihre Literatur unter schwierigen Bedingungen verfassen und dass ihre besondere Situation, das Erleben von Flucht und Vertreibung, das Abgeschnittensein von ihren Leserinnen und Lesern und auch die Isolation vom bis dahin vertrauten Literaturbetrieb sehr häufig Einfluss nehmen auf die Texte.

Eure Aufgaben

Jahrgangsstufen 8 – 13

  1. Wählt eine Schriftstellerin oder einen Schriftsteller aus der deutschsprachigen oder mittel- und osteuropäischen Literatur, die oder der ins Exil gegangen ist.
  2. Erstellt über diese Schriftsteller-Persönlichkeit ein maximal zehn Minuten dauerndes Video, das Teil eines Lernvideo-Kanals, wie sie sich z. B. auf Plattformen wie YouTube finden lassen, mit dem Titel „Exilliteratur“ werden könnte. Neben anderen Informationen zu Leben, Werk und historischem Kontext sollen im Mittelpunkt Eures Videos die biografische Exilerfahrung sowie deren Auswirkungen auf das Werk stehen.

Fachbereiche

Deutsch, Geschichte, Literatur, Arbeitsgemeinschaften für kreatives Schreiben, Politik, Kunst, Arbeitsgemeinschaften für Fotografie und Videokunst (auch fächer- und jahrgangsstufenübergreifend)

Arbeitsformen

Einzelarbeiten, Gruppenarbeiten, Partnerarbeiten

Service-Bereich, Kontaktformular, Inhaltsverzeichnis

Navigation

 
Move Schließen
\
Expand
Zurück Zurück Weiter Weiter
{pp_gallery_content}