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Bundesverdienstkreuz erster Klasse: Prof. Dr. Viola Gräfin von Bethusy-Huc verstarb kurz vor Auszeichnung durch Regierungspräsident
„Die Stunde des Abschieds aus dem Leben können wir nicht vorhersehen“, sagte der Regierungspräsident. „Ich bedauere sehr, dass Gräfin von Bethusy-Huc den Orden nicht mehr in Empfang nehmen und als kleinen Dank für ihr soziales Engagement in Händen halten konnte.“
In der Zeit von 1970 bis 1992 war die ausgezeichnete Inhaberin des Lehrstuhls Politikwissenschaft II an der Pädagogischen Hochschule in Münster. Seit 1993 lebte sie im Tibusstift, einer Senioreneinrichtung in Münster, und unterstützte zunächst junge Studenten im privaten Rahmen bei ihren Studien. Von 1993 bis 2001 setzte sie sich, ungeachtet ihrer eigenen gesundheitlichen Einschränkungen, als Vorsitzende des Heimbeirates für die Interessen ihrer Mitbewohner ein. In dieser Funktion beteiligte sie sich intensiv an der Organisation von gemeinschaftlichen Aktivitäten wie Festen und Jubiläumsfeierlichkeiten. Gleichzeitig sorgte sie sich auch um Senioren, die in anderen Einrichtungen für Altenhilfe wohnten. Sie pflegte entsprechende Kontakte und suchte die Öffentlichkeit, um Belange der älteren Generation zu formulieren und zu unterstützen. Sie veröffentlichte ihr Anliegen über die Presse und nutzte Publikationen, um Missstände anzuprangern. Sie kämpfte um die Pflegegeldberechtigung für Demenzerkrankte und wandte sich auch an Behörden und andere Einrichtungen.
Ihre Beobachtungen waren der Auslöser für die Gründung von Wohn- und Hausgemeinschaften für an Demenz erkrankte Menschen innerhalb des Stadtgebietes von Münster. Im Jahr 2003 gründete sie die „Viola Gräfin von Bethusy-Huc-Stiftung“ zum Vorteil für altersverwirrte Menschen. Mit der Stiftung setzte sie sich ein wichtiges Ziel, nämlich die persönliche Integrität und Würde älterer Menschen zu wahren, unabhängig von ihrer Pflegebedürftigkeit. Sie arbeitete daran, dass es diesen Menschen möglich ist, in der Gemeinschaft mit anderen und fachlich qualifizierter Begleitung, ihren Alltag zu meistern. Neue, alternative Wohn- und Betreuungsformen unterstützen ihr Vorhaben. Mit der Stiftung erreichte sie auch, dass die Betreuung von Demenzkranken ausgedehnt werden konnte und schob auch viele Einzelprojekte an. So unterstützte sie beispielsweise in Einrichtungen der Altenhilfe ein Tanzcafé-Angebot, Ausflüge, Singnachmittage, Benefizkonzerte und Urlaube für Demenzerkrankte und deren Betreuer.
Trotz eigener Sehbehinderung hat Prof. Dr. Viola Gräfin von Bethusy-Huc für ihre Arbeit den Computer und das Internet genutzt. Sie steht mit ihrem Engagement für neue Ideen im Alltag und bei der Betreuung der älteren Generation.
30.04.2010

