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Vortrag "Verwaltung in Diktatur und Demokratie" in der Bezirksregierung Münster

Dr. Hedwig Schrulle, Regierungspräsident Dr. Peter Paziorek, LWL-Direktor Dr. Wolfgang Kirsch, Prof. Dr. Bernd Walter und Prof. Dr. Hans-Ulrich Thamer

Dr. Hedwig Schrulle (Mitte) stellt gemeinsam mit Regierungspräsident Dr. Peter Paziorek (2.v.r.), LWL-Direktor Dr. Wolfgang Kirsch (2.v.l.), Prof. Dr. Bernd Walter (Leiter des Instituts für westfälische Regionalgeschichte) (rechts) und Prof. Dr. Hans-Ulrich Thamer (links) die Dissertation "Verwaltung in Diktatur und Demokratie" bei der Bezirksregierung Münster vor.

Münster/Beckum. Regierungspräsident Dr. Peter Paziorek hat gestern Abend (11. Februar) zahlreiche interessierte Gäste aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung zum Vortrag von Dr. Hedwig Schrulle "Verwaltung in Diktatur und Demokratie – Die Bezirksregierung Münster und Minden/Detmold von 1930 bis 1960" begrüßt. Nach Grußworten von LWL-Direktor Dr. Wolfgang Kirsch und Prof. Dr. Hans-Ulrich Thamer erläuterte Dr. Hedwig Schrulle ihre Forschungsergebnisse.

In ihrer Dissertation geht sie der Frage nach, welche Funktionen den behördlichen Apparaten im diktatorischen Machtstaat und im demokratischen Staat zugedacht waren, in welchem Umfang sie diesen nachkamen oder ihnen entgegenarbeiteten.

In ihrem Vortrag führte sie aus, dass der Wandel des Verwaltungshandelns beim Übergang zur Diktatur von entscheidender Bedeutung war, und dass es dem NS-Regime nach dem Austausch der administrativen Eliten und nach der Einschüchterung und Verunsicherung der Beamtenschaft durch das Berufsbeamtengesetz sehr rasch gelang, sich der Loyalität der Beamten auch bei der Bezirksregierung Münster zu versichern.

Sie legte in ihrem Referat dar, dass die Regierung in Münster und der dem konservativen Lager zuzurechnende Schulrat sich offen zu dem Bruch der gültigen Rechtsnormen, wenn es um die Behandlung weltanschaulicher Gegner ging, bekannten. Sie wies darauf hin, dass es dem üblichen Argumentationsmuster der Nationalsozialisten entsprach bestehende Rechte außer Kraft zu setzen. Darin folgte die Bezirksregierung in Münster der nationalsozialistischen Argumentation.

Nach dem gelungenen Vortrag, der sich auf Beispiele in der Schulverwaltung bezog, haben Regierungspräsident Dr. Peter Paziorek und Dr. Hedwig Schrulle eine Folgeveranstaltung vereinbart. Bei der Folgeveranstaltung soll die Verfolgung jüdischer Mitbürger durch die Bezirksregierung Münster dargelegt werden. Gleichzeitig soll das Projekt "Erziehung nach Ausschwitz", das in der Schulabteilung entwickelt wurde, vorgestellt werden. Ein konkreter Termin steht noch nicht fest.

Die Doktorarbeit von Hedwig Schrulle ist vom Institut für westfälische Regionalgeschichte des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL) Ende vergangenen Jahres veröffentlicht worden. Die Publikation wurde von der Bezirksregierung Münster in Kooperation mit dem LWL gestaltet und gedruckt. Das Buch ist im Schöningh Verlag in der Reihe Forschungen zur Regionalgeschichte erschienen.

Begrüßungsrede von Regierungspräsident Dr. Peter Paziorek
zur Vortragsveranstaltung "Verwaltung in Diktatur und Demokratie"
(PDF 71 KB)

12.02.2009

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