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Start der Kampagne: Rettet die Frösche!

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Regierungspräsident Dr. Peter Paziorek (links) und Michael Steven, Geschäftsführer NABU Münsterland, versuchen mit dieser Klangattrappe die Laubfrösche zum Rufen zu animieren, um so deren Bestand zu erfassen.

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Die Rückkehr des Königs durch Pilz gefährdet

Bezirksregierung Münster unterstützt Artenschutzprogramm

Münster. Küssen mochte er den kleinen grünen Gesellen zwar nicht. Aber mit großer Begeisterung setzt sich Regierungspräsident Dr. Peter Paziorek für die Rückkehr des Königs in sein Reich, das Münsterland, ein. So gab er gemeinsam mit Zoodirektor Jörg Adler und NABU-Münsterland Geschäftsführer Michael Steven heute (16. Mai 2008) den Startschuss für die Kampagne "Rettet die Frösche", mit der die in Münster ansässige Stiftung Artenschutz nachdrücklich für den Erhalt der Amphibien kämpften will. Denn die sind stärker bedroht als jemals zuvor.

Der Artenschutz steht derzeit vor einer der größten Herausforderungen in der Geschichte der Menschheit. Experten fürchten, dass weltweit 30 bis 50 Prozent aller Amphibien unmittelbar vom Aussterben bedroht sind. Ein solches Massenaussterben gab es zuletzt bei den Dinosauriern vor über 60 Millionen Jahren. Hunderte Froscharten werden in den nächsten Jahren für immer verschwunden sein.

Die Ursachen sind Lebensraumverlust, Umweltgifte, übermäßige Nutzung, Klimawandel und ein gefährlicher Hautpilz, der viele Amphibienpopulationen in kurzer Zeit dahinrafft. Dieser Chytridpilz (Chytridiomykose) hat bereits über 120 Froscharten in Südamerika und Australien ausgerottet. Das Fröschesterben hat mittlerweile auch Europa erreicht und droht, die jüngsten Erfolge im Amphibienschutz zunichte zu machen.

Früher war er im Münsterland allgegenwärtig. "Dat Pöggsken", wie der Volksmund den Laubfrosch nennt, ist wohl wie kaum ein anderes Tier typisch für die Region, die ihm mit ihren Hecken, Feldgehölzen, Grünflächen, Tümpeln und Teichen idealen Lebensraum bot. Doch dann verschwanden fast alle Kleingewässer und Hecken und mit ihnen die Laubfrösche. Nachdem er vor 30 Jahren hier schon fast ausgestorben war, ist der Laubfrosch mit Hilfe der Naturschützer und Unterstützung der Bezirksregierung Münster nun ins Münsterland zurückgekehrt.

"Ein König sucht sein Reich" heißt das Artenschutzprojekt, das der NABU (Naturschutzbund Deutschland) im Jahr 1998 mit umfangreicher finanzieller Unterstützung des Landes Nordrhein- Westfalen ins Leben gerufen hat. Mit den rund 600.000 Euro, die von der Bezirksregierung Münster bewilligt wurden, konnten 60 Hektar Land gekauft und geeignete Gewässer angelegt werden, insgesamt 300 Hektar. Die Naturschützer sanierten zahlreiche Biotope. In den zehn Jahren hat sich der Laubfrosch-Bestand im Münsterland von etwa 4000 auf 8000 verdoppelt.

Doch nun sind die Amphibien erneut massiv gefährdet. Nicht nur im Münsterland, sondern weltweit. Mit der heute gestarteten Kampagne "Rettet die Frösche" will die Stiftung Artenschutz die Öffentlichkeit auf die Gefahr aufmerksam machen und nachdrücklich für den Erhalt der Amphibien kämpfen. Aufgrund der alarmierenden Situation wurde das Jahr 2008 bereits zum "Jahr des Frosches" ausgerufen. Weltweit unterstützen Zoos, Aquarien, wissenschaftliche Institute und Naturschutzorganisationen die Initiative.

Zoos als Arche

Um ein globales Aussterben der Amphibien zu verhindern, haben die Weltnaturschutzorganisation IUCN und der Weltzooverband eine Initiative zur Rettung der Frösche gegründet: "Amphibian Ark" (Amphibien-Arche). Die Aktivitäten werden in Deutschland durch den Allwetterzoo Münster koordiniert und maßgeblich von Zoodirektor Jörg Aldler vorangestrieben. Amphibian Ark versucht international durch Aufklärung, gezielte Erhaltung und Zucht gefährdeter Arten dem Amphibiensterben zu begegnen. So werden beispielsweise Amphibienarten in Zoos weitgehend isoliert in Terrarien für die Nachwelt erhalten, um sie anschließend, nach Abklingen der Chytridpilzseuche, wieder in geeigneten Lebensräumen auszusetzen. Der Allwetterzoo Münster hat alle seine Frösche inzwischen aus Sicherheitsgründen in entsprechende Aquarien umgesiedelt. Außerdem wurden in einigen Zoos bereits aufwendige Container aufgebaut, in denen bestimmte Froscharten überleben können. Darüber hinaus sind Vorträge, Informationsveranstaltungen und ein Familientag zum Thema Frösche geplant.

Die Pilzerkrankung

Die Chytridiomykose ist eine relativ neu aufgetretene Pilzerkrankung von Frosch- und Schwanzlurchen. Sie wurde erstmals 1998 bei tropischen Fröschen in Australien und Zentralamerika entdeckt, wo sie zu Massensterben von Amphibien geführt hat. Massensterben wurden (und werden immer noch) auch in Spanien beobachtet. Nach Überzeugung von Amphibian Ark sterben weltweit jedes Jahr zehn Froscharten allein durch den Chytridpilz aus. Auch in Deutschland wurden bereits tote Rotbauchunken mit Chytridpilzbefall gefunden. Eine Verbreitung dieses Pilzes gefährdet einheimische Amphibien massiv. Ein schnelles Handeln im Kampf gegen die Chytridpilzseuche in Deutschland ist deshalb unbedingt erforderlich. Sonst werden die vielen erfolgreichen Bemühungen im Amphibienschutz zunichte gemacht.

Woher die Krankheit kam und wie sie sich ausbreitet, ist noch nicht restlos geklärt. Plausibel scheint, dass der Chytridpilz mit Krallenfröschen aus Afrika exportiert wurde. Der weltweite Handel mit Amphibien ist wahrscheinlich mit für die Verbreitung der Chytridiomykose verantwortlich.

Amphibien

besitzen eine enorme Bedeutung für die Ökosysteme und den Menschen. Daher sollte allen der Schutz der Amphibien wichtig sein:

Stiftung Artenschutz

Die seit März 2001 bestehende Stiftung Artenschutz mit Sitz in Münster fördert Schutzprojekte für existenziell gefährdete Tierarten und ihre angestammten Lebensräume, um so gemeinsam mit vielen Partnern einen wichtigen Beitrag zum Schutz der Biodiversität zu leisten. Im Fokus der Projekte stehen Tierarten, für deren Schutz es bislang keine ausreichende Finanzierung gibt, obwohl sie laut der "Roten Liste" der Weltnaturschutzorganisation IUCN in ihrem Fortbestand hoch gefährdet sind.

Um eine nachhaltige Wirkung für das Fortbestehen bedrohter Tierarten zu erreichen, führt die Stiftung Artenschutz enge Kooperationen mit anerkannten Naturschutzorganisationen, Zoologischen Gärten und anderen Fachinstitutionen weltweit. Die Zusammenarbeit mit der lokalen Bevölkerung nimmt eine bedeutende Stellung in den Schutzprojekten ein. Ihre Ziele erreicht die Stiftung Artenschutz durch den Zusammenschluss von inzwischen 45 Zoologischen Gärten, Tierparks und Umweltorganisationen, die sowohl öffentlichkeitswirksame als auch finanzielle Unterstützung gewähren.

Jörg Adler, Direktor des Allwetterzoos Münster, ist Vorstandsmitglied und Mitbegründer der Stiftung Artenschutz.

NABU

Die NABU-Naturschutzstation Münsterland ist eine Biologische Station im Fachkonzept des Landes NRW für den Kreis Warendorf und die Stadt Münster. Das Laubfroschprojekt "Ein König sucht sein Reich" koordiniert sie landesweit im Auftrag des NABU Landesverbandes NRW und organisiert es praktisch im gesamten Münsterland. In den Kreisen Borken, Coesfeld und Steinfurt erfolgt dies außerhalb der Naturschutzgebiete und in Kooperation mit den dortigen Biologischen Stationen.

Der NABU-NRW ist mit rund 50.000 Mitgliedern der größte Umweltverband in Nordrhein- Westfalen. Seit mehr als 100 Jahren engagieren sich NABU-Aktive im Naturschutz in Deutschland und NRW. Michael Steven ist Geschäftsführer NABU Münsterland.

Damit das auch so bleibt, startete heute die Kampagne "Rettet die Frösche".

Sprechzettel zum Pressetermin am 16.Mai 2008 (PDF 26 kb)

16.05.2008

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