Sie sind hier:
Regionaler Konsens im Wettbewerb zum Ausbau der Fachhochschulen in NRW erzielt
Die Bezirkskonferenz, an der die Münsterlandkonferenz und der Aufsichtsrat der WiN Emscher-Lippe (Wirtschaftsförderungs-Netzwerk Emscher-Lippe) teilnahmen, verständigte sich in ihrer Sitzung am 11. August 2008 auf folgenden Beschluss:
1.Die Bezirkskonferenz unterstützt nachdrücklich den aktuellen Beschluss des Aufsichtsrates der WiN Emscher-Lippe und übernimmt die Beschlüsse vom heutigen Tage (s. Anlage).
2. Die Angebote an den Studienorten Ahlen/Beckum/Oelde werden in enger Kooperation der Fachhochschule Münster und der Fachhochschule Südwestfalen entwickelt. Die Bezirkskonferenz stellt sich geschlossen hinter das Vorhaben, über die bereits bestehenden Studienangebote in Oelde hinaus, weitere duale Studienangebote in den MINT-Fächern zu entwickeln und in den Ausbau-Wettbewerb einzubringen.
3. Die Standorte Bocholt/Ahaus und Coesfeld sollen auf Dauer angelegte, leistungsfähige Studienzentren werden, mit einem attraktiven, auf die Bedürfnisse der Wirtschaft im Westmünsterland ausgerichteten Studienangebot.
Dabei wird vorausgesetzt, dass die Entwicklung des Studienortes Coesfeld in enger Abstimmung mit der Fachhochschule Gelsenkirchen erfolgt.
4.Die Bezirkskonferenz bittet den Präsidenten der Fachhochschule Gelsenkirchen, Herrn Prof. Dr. Bernd Kriegesmann und den Rektor der Fachhochschule Münster, Herrn Prof. Dr. Klaus Niederdrenk, unter Einbeziehung der Prorektorin, Frau Prof. Dr. Ute von Lojewski, in den nächsten Tagen ein detailliertes Konzept dazu zu erarbeiten und untereinander abzustimmen. Die Bezirksregierung wird beauftragt, in Abstimmung mit den beiden Fachhochschulen den Konsens über die beiden Wettbewerbsbeiträge zu bestätigen.
5.Die Bezirkskonferenz beauftragt die Bezirksregierung, zu allen anderen Punkten gegenüber der Landesregierung und gegenüber der Jury im Wettbewerbsverfahren den regionalen Konsens zu erklären und die Wettbewerbsbeiträge durch Unterstützungserklärungen gegenüber der Landesregierung zu begleiten.
6. Soweit es bei der sich abzeichnenden Entscheidung der Landesregierung NRW bleiben sollte, einen Gesundheits-Campus (öffentliche Fachhochschule u.a.) im Ruhrgebiet einzurichten und zu fördern, unterstützt die Bezirkskonferenz Münsterland und Emscher-Lippe nachdrücklich die Bemühungen der Stadt Castrop-Rauxel um diesen Standort.
7. Die Bezirkskonferenz unterstützt gleichzeitig die Bestrebungen des Mathias-Spitals, der Stadt Rheine und des Kreises Steinfurt eine private Fachhochschule für Gesundheit zu errichten. Dabei sollten diese Bemühungen kooperativ in die Aktivitäten der öffentlichen Fachhochschulen eingebettet sein.
Anlage zum Regionalen Konsens:
Wettbewerb zum Ausbau der Fachhochschulen in NRW
Beschluss des Aufsichtsrates der WiN Emscher-Lippe GmbH vom 11.08.2008
1. Der Aufsichtsrat der WiN Emscher-Lippe GmbH (Wirtschaftsförderungsnetzwerk Emscher-Lippe) unterstützt die Pläne der Fachhochschule Gelsenkirchen, sich mit der Schaffung neuer Fachbereiche / Studiengänge an den Standorten Gelsenkirchen, Recklinghausen und Bocholt am Wettbewerb "Ausbau der Fachhochschulen in Nordrhein-Westfalen" zu beteiligen. Oberstes Ziel ist die Stärkung der Fachhochschule Gelsenkirchen an ihren vorhandenen Standorten als zentrales Rückgrat der regionalen Strukturförderung. Mit dem geplanten Ausbau greift die Fachhochschule die Bedürfnisse der regionalen Wirtschaft auf. Das vorgelegte Ausbaukonzept (siehe Kapitel B.) wird vom Aufsichtsrat der WiN Emscher-Lippe GmbH getragen.
2.Der Aufsichtsrat begrüßt das Angebot der Fachhochschule Gelsenkirchen an die Städte der Emscher-Lippe Region, sich an Aktivitäten der Region aktiv zu beteiligen. Hierzu haben erste Gespräche mit den Städten Bottrop, Datteln, Haltern am See, Herten und Oer-Erkenschwick stattgefunden. Alle Städte sind eingeladen, sich an diesem Diskussionsprozess zu beteiligen.Diese Aktivitäten können unabhängig vom o.g. Wettbewerb realisiert werden (siehe Kapitel C.)
3.Die Stadt Bottrop behält sich vor, sich gemeinsam mit der Stadt Mülheim um die Neugründung einer Fachhochschule mit Sitz in Mülheim und einer Außenstelle in Bottrop zu bewerben. Die Stadt Bottrop geht davon aus, dass diese Bewerbung mit den bestehenden und geplanten Studieninhalten der Fachhochschule Gelsenkirchen abgestimmt wird, damit Synergieeffekte genutzt und Überschneidungen vermieden werden.
Informationen zum Hintergrund:
A. Ausschreibung des Wettbewerbes
Mit Schreiben vom 26. Mai 2008 hat Herr Minister Prof. Dr. Andreas Pinkwart die Regionen aufgefordert sich am Wettbewerb "Ausbau der Fachhochschulen in Nordrhein-Westfalen" zu beteiligen.
Vorgesehen sind
- die Gründung von drei neuen Fachhochschulen im Umfang von jeweils 2.500 (flächenbezogenen) Studienplätzen und
- der Ausbau bestehender Fachhochschulen in der Größenordnung von insgesamt 2.500 (flächenbezogenen) Studienplätzen an bis zu fünf Standorten.
In Übereinstimmung mit den Leitlinien der "Initiative Zukunft Ruhr" sollen bis zu 5.000 dieser neuen Studienplätze in den vom Rückzug des Steinkohlebergbaus betroffenen Regionen entstehen.
Es werden folgende Kriterien angelegt (Kurzfassung):
- Den fachlichen Schwerpunkt bilden die Ingenieurwissenschaften (MINT-Studiengänge).
- Die Anbindung der Studienangebote an das regionale Entwicklungspotenzial (Unternehmen) ist unabdingbar.
- Die duale Ingenieurausbildung (Studium und Lehrberuf) gilt als wesentlicher Baustein nachhaltiger Zukunftsvorsorge zur Sicherung des Ingenieurnachwuchses. Dem sollen die neuen Studienangebote in nennenswertem Umfang Rechnung tragen.
Die Vorschläge müssen bis zum 15. August 2008 im MIWFT eingereicht werden.
Der Regierungspräsident Münster hat die Region über den Projektaufruf informiert. In einer gemeinsamen Sitzung der Münsterlandkonferenz mit dem Aufsichtsrat der WiN Emscher-Lippe GmbH (Bezirkskonferenz) am 17.06.2008 wurden die bisherigen Aktivitäten im Rahmen des Wettbewerbs vorgestellt. In einer weiteren Bezirkskonferenz am 11.08.2008 sollen die in den Teilregionen (Münsterland und Emscher-Lippe) abgestimmten Konzepte vorgelegt werden.
B. Wettbewerbsbeitrag der FH Gelsenkirchen
Die FH Gelsenkirchen mit 6.600 Studierenden ist seit 1992 eine selbstständige Hochschule mit Standorten in Gelsenkirchen (Sitz), Recklinghausen und Bocholt. Sie ist als zentrale Bildungs-, Forschungs- und Transferinstitution Rückgrat der regionalen Strukturförderung.
An den drei Standorten der FH Gelsenkirchen sollen insgesamt 600 neue Studienplätze entstehen. Die Fachhochschule Gelsenkirchen wird sich mit folgendem Konzept am Wettbewerb beteiligen (Kurzfassung):
-
Standort Gelsenkirchen
Studiengänge zurzeit: Angewandte Informatik, Elektrotechnik, Energiesystemtechnik, Versorgungs- und Entsorgungstechnik, Wirtschaftsingenieurwesen, Mikrotechnik/Medizintechnik, aber auch Journalismus/ Public Relations/ Medieninformatik, Unternehmensführung/ Innovationsmanagement.
Neue Studiengänge / Fachbereiche:
- Energietechnik (eigener Fachbereich)
- Mikrosystemtechnik / Medizintechnik
-
Standort Recklinghausen
Schwerpunkt zurzeit Naturwissenschaften (Studiengänge Chemie, Molekulare Biologie, Polymerwissenschaften, Nano- und Materialwissenschaften), zudem Wirtschaftsingenieurwesen/Transport, Verkehr, Logistik, International Business Law and Business Management, Wirtschaftsrecht.
Neuer Studiengang
- Chemie / Weiße Biotechnologie
-
Standort Bocholt
Zurzeit: Wirtschaftsinformatik, Wirtschaftsingenieurwesen, Mechatronik, Informationstechnik, Wirtschaft, International Management, Service-Management.
Neue Studiengänge
- Bionik (angewandte Biologie)
- Food-Engineering
- Studienzentrum Ahaus
Herr Kleffner wird das Konzept in der Sitzung des Aufsichtsrates detailliert vorstellen.
C. Angebote der FH Gelsenkirchen an die Region
Im Rahmen des Wettbewerbes haben sich einige Städte des Kreises Recklinghausen intensiv mit dem Thema beschäftigt, einen neuen Campus (der FH Gelsenkirchen) in ihrer Stadt zu realisieren. In mehreren Gesprächen mit der Leitung der FH Gelsenkirchen ist deutlich geworden, dass eine Ausweitung über die derzeitigen Standorte in Gelsenkirchen, Recklinghausen und Bocholt nicht sinnvoll ist. Zusätzliche Standorte würden die FH Gelsenkirchen schwächen.
Gleichwohl bietet die FH Gelsenkirchen an, sich unabhängig von o.g. Wettbewerb noch stärker in der Region zu engagieren. Dabei bieten sich z.B. die Themen
- Technologietransfer,
- Praktika in Unternehmen,
- Studienarbeiten,
- Bildung,
- An-Instituten,
- Netzwerke
an.
Insbesondere das Thema Bildung spielt in den Überlegungen der Städte eine große Rolle. Hierzu gibt es Überlegungen in Zusammenarbeit mit Unternehmen, Bildungszentren zu errichten. Es ist allen Beteiligten bewusst, dass solche Einrichtungen nur durch ein starkes finanzielles Engagement der Unternehmen und beteiligten Kommunen entstehen können.
Beispielhaft erste Überlegungen von Kommunen aus der Region über eine Zusammenarbeit mit der FH Gelsenkirchen:
-
Herten
Die Stadt Herten unterstützt den Ausbau der FH Gelsenkirchen, insbesondere mit dem Studienzweig Energietechnik. Eine enge Kooperation zwischen dem Wasserstoffkompetenzzentrum Herten und der FH Gelsenkirchen ist verabredet.
Die Projektgemeinschaft der Städte Gelsenkirchen, Herten und RAG-Montan-Immobilien entwickelt die Nachfolgenutzung des Bergwerksgeländes Lippe Westerholt. Der 30 ha große Standort befindet sich auf der Stadtgrenze Herten-Gelsenkirchen, mitten im Dreieck industrieller Aktivitäten zum Thema "Neuer Energien":
- Solarstadt Gelsenkirchen sowie Niederlassungen BP und E.ON
- Wasserstoffstadt Herten
- Creavis und Chemiepark Marl
Hierzu sind nicht nur geeignete Gebäude vorhanden, dieses Konzept kann für den Übergang an bereits bestehende Aus- und Weiterbildungsstrukturen auf dem Standort anknüpfen.
Neben der architektonischen Qualität des Gebäudeensembles wird die Nutzung neuer Energieträger, insbesondere Geothermie, die das ehemalige Bergwerk liefert, demonstriert. Der Standort verfügt mit dem nahe gelegenen Golfplatz und dem Schlosshotel Westerholt über eine adäquate Infrastruktur. Insgesamt bietet er alle Vorraussetzungen, um in Verbindung mit den übrigen Bildungs- und Qualifizierungseinrichtungen ein Zweiginstitut der FH Gelsenkirchen zu errichten. - Solarstadt Gelsenkirchen sowie Niederlassungen BP und E.ON
-
Datteln
Für die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt Datteln sind sowohl die Ausweitung der ingenieurwissenschaftlichen Studienplätze an ihrer Fachhochschule als auch ihre Schwerpunktsetzung auf die Energietechnik von großer Bedeutung. Bereits heute haben große Dattelner Betriebe (z.B. die Dattelner Zink-Industrie) erhebliche Probleme, Ingenieure zu rekrutieren. Es besteht die Gefahr, dass sich dieser Ingenieursmangel zu einem gravierenden Engpass für die industrielle Entwicklung unserer Stadt verschärft, zumal die Realisierung des Industrieareals newPark für großflächige Industrie den Bedarf an Ingenieuren am Standort Datteln mittelfristig erheblich vergrößern wird.
Auch die Schwerpunktsetzung des Fachhochschulausbaus auf innovative Energietechnik korrespondiert mit den Interessen der Stadt Datteln. Die E.ON Kraftwerke GmbH investiert zurzeit in der Stadt Datteln 1,2 Mrd. € in den Bau des größten Steinkohlekraftwerkes in Europa und wird bei uns im Rahmen eines Modellversuchs die CO2-Abspaltung erproben. Mehrere Dattelner Industrie- und Handwerksunternehmen (z.B. die Rheinzink GmbH & Co. KG mit dem Produkt "Dachintegrierte Solarsysteme"), die zum Teil bereits intensiv mit der Fachhochschule Gelsenkirchen kooperieren, haben sich neue Märkte im Bereich regenerativer Energien erschlossen. Darüber hinaus gehört die Energietechnik zu den Zielmärkten des geplanten Industrieareals newPark.
-
Haltern am See
Die Stadt Haltern am See strebt im Rahmen des Hochschulverbundes eine Zusammenarbeit mit der FH Gelsenkirchen an. In Ergänzung zum betriebswirtschaftlichen Schwerpunkt dieser FH kann am Standort Haltern am See in einer lokalen Bildungseinrichtung bzw. einem Weiterbildungszentrum der Fokus auf die Schwerpunkte "freiraumorientierter Tourismus" und/oder "Energietechnik (angewandte regenerative Energien)" gelegt werden. Die räumliche Unterbringung ist z. B. an einem ehemaligen Hotelstandort in unmittelbarer Nähe zum Stausee realisierbar.
-
Oer-Erkenschwick
Die Stadt Oer-Erkenschwick begrüßt die Pläne zum Ausbau und zur Stärkung der Fachhochschulen und sieht insbesondere im Fachbereich Maschinenbau die Möglichkeit, diese tatkräftig zu unterstützen.
Der Maschinenbau bildet zusammen mit der Nahrungsmittelindustrie die unverzichtbare industrielle Basis in Oer-Erkenschwick. Er gehört somit zu den wichtigsten Wirtschaftszweigen, z.B. im Hinblick auf die Aus- und Weiterbildung in technischen Berufen. Die in der Stadt ansässigen (Spezial-)Maschinenhersteller benötigen die bestmögliche Unterstützung für ihr weiteres wirtschaftliches Wachstum. Voraussetzung hierfür sind die entsprechenden personellen Ressourcen, ganz konkret: Mitarbeiter, welche aufgrund ihres qualifizierten theoretischen Hintergrundes in Verbindung mit einer praxisnahen Ausbildung in der Lage sind, sich rasch und flexibel auf die spezifischen Bedürfnisse der Unternehmen einzustellen. Diese Voraussetzungen bieten umgekehrt ein optimales Umfeld und die passende Infrastruktur für eine Ergänzung der vorhandenen Fachhochschulstandorte auf hohem Niveau.
Auch andere Städte haben mittlerweile positive Stellungnahmen zum Ausbau der FH Gelsenkirchen vorgelegt. Alle Kommunen sind aufgerufen, sich mit ihren Ideen in die Diskussion einzubringen.
D. Konzept BOT
Ein konkretes Konzept mit den geplanten Studiengängen ist noch nicht bekannt.
11.08.2008

