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Arbeitsschutzprogramm "Kyrill"
Ein Waldarbeiter im Roruper Holz entfernt mit der Kettensäge überstehende Äste
Münster/Dülmen. Bäume fällen ist gefährlich. Wer mit Kettensägen, Buschholzhackern, Schreddern und Holzerntemaschinen, den so genannten Harvestern, umgeht, muss höchste Vorsicht walten lassen und sich bestmöglich vor Verletzungen schützen. Die Arbeit im Wald wird durch umstürzende Bäume, Wettereinflüsse, rutschige Böden, Stolperfallen, Mulden, steile Hänge, Lärm und Dunkelheit zusätzlich erschwert. Abgeknickte und übereinander liegende Bäume stehen unter Spannung und können plötzlich zurückfedern.
Sturmtief "Kyrill" hat am 18./19. Januar viele Wälder in Nordrhein-Westfalen verwüstet. Rund 50.000 Hektar sind nach Schätzungen des MUNLV (Ministerium für Umwelt, Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz) entwaldet; bis zu zwölf Millionen Kubikmeter Sturmholz müssen verarbeitet werden – doppelt so viel wie normalerweise jährlich in NRW geschlagen wird.
Und die Zeit drängt sehr: Das Sturmholz muss vor Beginn des Borkenkäferflugs im April geschlagen und abtransportiert werden. In solchen Notfällen darf auch an Sonn- und Feiertagen ohne besondere Genehmigung nach dem Arbeitszeitgesetz gearbeitet werden.
Die gesamten Waldräumarbeiten werden allerdings noch bis zum Herbst andauern.
Die Fach-Waldarbeiter müssen gut ausgebildet und ausgerüstet sein, um ihre schwierige Aufgabe unter Zeitnot unfallfrei zu bewältigen. Kurzfristig stehen beim Landesbetrieb Wald und Holz NRW nicht genügend eigene Waldarbeiter zur Verfügung, sodass Fremdfirmen und weitere Subunternehmer, auch aus dem Ausland, beauftragt worden sind. Die Arbeitsschutzbehörde sieht eine erhebliche Gefahr, dass nicht hinreichend ausgebildete und ausgerüstete Waldarbeiter eingesetzt werden.
Deshalb überprüft die Bezirksregierung Münster mit einem Team von fünf erfahrenen Arbeitsschutzbeamten bis Ende Oktober 2007 die getroffenen Arbeitsschutzmaßnahmen wie die Organisation, den sicheren Einsatz der Arbeitsgeräte, den persönlichen Körperschutz (Helm mit Gesichtsschutz, Gehörschutz, reißfeste Hose) und die Arbeits- und Pausenzeiten im Wald.
Dass oft gegen die Arbeitsschutzbestimmungen verstoßen wird, zeigte sich drastisch vor einigen Jahren: Nachdem fünf Arbeitnehmer bei Waldarbeiten tödlich verunglückt waren, sind die Arbeitsschützer im Jahr 2000 im Regierungsbezirk Münster zu 42 Überprüfungen in die Wälder gefahren und haben bei 30 Einsätzen (von 42) zum Teil erhebliche Arbeitsschutzmängel festgestellt und behoben.
Im vergangenen Jahr sind von rund 7700 Arbeitsunfällen zehn tödlich verlaufen. In den Monaten Januar, Februar und März 2007 gab es bislang 1800 Arbeitsunfälle. Davon verliefen zwei tödlich. Bei Waldarbeiten und beim Baumfällen ereigneten sich in diesem Jahr bisher sieben Arbeitsunfälle. Niemand wurde getötet.
28.03.2007

