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Tür für eine gute Zukunft öffnen: Trauma-Ambulanz in Paderborn behandelt psychische Folgen von Gewalt

Münster/Paderborn. Albträume, Depressionen, Angstzustände, Konzentrationsschwäche und ständiges Wiedererleben der Verbrechenssituation – das sind mögliche Folgen für Menschen, die Opfer von Gewalttaten wurden. Schnelle und unbürokratische Hilfe bietet jetzt die Opfer-Ambulanz im Westfälischen Zentrum Paderborn, die am Mittwoch (22. Juni ) eröffnet wurde. Das Angebot der Opferhilfeambulanz soll psychische Störungen lindern, sie heilen oder sie bereits im Vorfeld verhindern.

Die Bezirksregierung Münster hat mit dem Westfälischen Zentrum Paderborn eine Vereinbarung über die Ambulanz geschlossen für den Bereich des Versorgungsamtes Bielefeld. Das sind die Kreise Gütersloh, Herford, Höxter, Lippe, Minden-Lübbecke, Paderborn und die kreisfreie Stadt Bielefeld. In Einzelfällen hilft die neue Ambulanz auch Menschen aus dem Gebiet angrenzender Versorgungsämter. Das Land Nordrhein-Westfalen schreitet damit fort auf dem Weg zur besseren Versorgung von Gewaltopfern. Dieses Vorhaben wird von dem Grundsatz geleitet, über kurze Verwaltungswege und ohne viel Zeitverlust den Opfern zu helfen, deren Seele verletzt ist. Um zu verhindern, dass sich schwerwiegende Folgen nach einem psychischen Trauma entwickeln, ist es wichtig, möglichst sofort beim Auftreten erster Beschwerden nach dem Ereignis Hilfe zu suchen.

Bei der Eröffnung am Mittwoch (22. Juni) in Paderborn hob Eugen Schneider von der Versorgungsverwaltung bei der Bezirksregierung Münster hervor, dass mit der Trauma-Ambulanz in Paderborn die zweite Einrichtung dieser Art im Bereich des Versorgungsamtes Bielefeld zur Verfügung steht. "Das flächendeckende Netz an Opfer-Ambulanzen in Nordrhein-Westfalen ist wieder ein Stück weiter ausgebaut", so Schneider. "Wir werden den Menschen helfen, Schritt für Schritt in das normale Leben zurückzukehren."

Etwa 50 000 Menschen werden jährlich in Nordrhein-Westfalen Opfer einer vorsätzlichen Gewalttat. Glücklicherweise verarbeiten die meisten von ihnen das Geschehen gut und können es schließlich vergessen. Bei rund 25 Prozent dieser Gruppe entwickeln sich als Spätfolgen psychische Störungen wie "Flash Backs" – blitzartige Erinnerungen an die Tat -, Schlafstörungen oder auch Suchtprobleme. Häufig erleben die Geschädigten auch körperliche Folgen wie ständige Schmerzen, Herzbeschwerden oder sexuelle Störungen. Viele Betroffene bekommen Schwierigkeiten im sozialen Umfeld, Probleme in der Partnerschaft oder am Arbeitsplatz. Es fällt ihnen schwer, den normalen Alltag zu bewältigen.

"Die Wahrscheinlichkeit an Folgestörungen zu erkranken, kann durch schnelle Therapie in der Opferambulanz verringert werden", so Privatdozent Dr. Bernward Viethen, Ärztlicher Direktor des Westfälischen Zentrum Paderborn. Vielfach genügt eine therapeutische Begleitung der Opfer über nur wenige Stunden -70 Prozent der Patienten benötigen lediglich fünf Therapiestunden -, um das seelische Gleichgewicht wiederzuerlangen. Die Trauma-Ambulanz bietet eine Therapie mit fünf und bei Bedarf auch mit bis zu 15 Sitzungen, die mit dem Einsetzen der ersten Symptome beginnt und acht Wochen danach abgeschlossen sein sollte. Eine Nachuntersuchung nach sechs Monaten schließt sich der Behandlung an.

Die Trauma-Ambulanzen in Nordrhein-Westfalen bieten eine Besonderheit, die in Deutschland einzigartig ist: Die Opfer müssen sich nicht um die Finanzierung kümmern, die Versorgungsämter bezahlen in jedem Fall. Normalerweise muss die Straftat zunächst aufgeklärt werden, bevor der Staat in eine Reha-Behandlung investiert.

Mit der Eröffnungsfeier hat die Opferhilfeambulanz im Westfälischen Zentrum Paderborn ihre Arbeit aufgenommen. Sie ist eingerichtet in der Institutsambulanz des Zentrums für Psychiatrie und Psychotherapie, Agathastraße 1 in Paderborn. Opfer können sich direkt an die neue Einrichtung wenden, die unter der Telefonnummer: 05251-295114 rund um die Uhr zu erreichen ist.

In Nordrhein-Westfalen gibt es jetzt 22 Trauma-Ambulanzen in den folgenden Städten:
Aachen, Euskirchen, Bielefeld, Paderborn, Dortmund, Krefeld, Düsseldorf, Neuss, Viersen, Langenfeld, Duisburg, Dinslaken, Iserlohn, Bedburg-Hau, Essen(2x), Datteln, Köln, Münster, Marsberg (2x) und Hamm.

22.06.2005

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