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"Das Opfer steht im Mittelpunkt, nicht der Täter"

Ein starkes Netzwerk hilft Kriminalitäts-Opfern in NRW / System der Trauma-Ambulanzen wird weiter ausgebaut / Polizei, Versorgungsverwaltung und Weißer Ring betonen gute Zusammenarbeit


Münster/NRW. Drei Jahre nach dem Aufbau eines flächendeckenden Netzes an Opfer-Ambulanzen in Nordrhein-Westfalen hat das System seine Bewährungsprobe bestanden. So wurden im vergangenen Jahr 503 Menschen in den Ambulanzen behandelt. Bei den meisten genügten schon wenige Therapiestunden, um Langzeitfolgen zu vermeiden.

"Der Weg, den NRW als einziges Bundesland in Deutschland bei der Opferbetreuung geht, ist richtig", betonte jetzt Gerhard Hösel, Leiter der NRW-Versorgungsverwaltung bei der Bezirksregierung Münster. Anlässlich des Europäischen Tages des Kriminalitätsopfers am 22. März kündigte Hösel an, dass NRW nach den guten Erfahrungen der vergangenen zwei Jahre sein Konzept der Opferbetreuung weiter ausbauen werde. "Der alte Vorwurf, der Staat kümmere sich mehr um die Täter als um die Opfer, geht bei uns an der Wirklichkeit vorbei", so Hösel.

In den zurzeit 19 Opferambulanzen in ganz NRW betreuen speziell geschulte Psychologen die Opfer von Kriminalität und Gewalttaten bereits kurz nach der Tat - und verhindern damit in vielen Fällen psychische Spätfolgen. Das Angebot der so genannten Trauma-Ambulanzen in NRW ist fast flächendeckend, "noch bestehende Lücken, beispielsweise im Sauer- und im Siegerland, werden wir schließen", so Hösel.

Die Versorgungsverwaltung NRW mit ihren elf Versorgungsämtern, die Polizei, die Trauma-Ambulanzen und der Weiße Ring e. V. - inzwischen hat sich im Land ein starkes Netzwerk gebildet, das Opfer auffängt und betreut. Die Hilfe greift oft schon wenige Stunden nach der Tat. Vor allem die Polizei und ihre Opferschutzbeauftragten, die es in allen Polizeibehörden gibt, haben sich in der Vergangenheit als wertvolle Lotsen erwiesen. "Wir müssen erkennen, wann ein Mensch die ihm widerfahrene Gewalt wahrscheinlich selbst verarbeiten kann, und wann wir früh eingreifen müssen, um Spätfolgen zu verhindern", schildert die Opferschutzbeauftragte des Polizeipräsidiums Münster, Christine Bünker. Inzwischen seien viele Polizeibeamte in Fragen des Opferschutzes ausgebildet und in der Lage, sensibel zu reagieren.

Etwa 50 000 Menschen werden jährlich in Nordrhein-Westfalen Opfer einer vorsätzlichen Gewalttat. Während die meisten von ihnen das Geschehen gut verarbeiten und schließlich vergessen können, leiden jedoch viele Menschen an Spätfolgen: Sie erinnern sich immer wieder an die Gewalttat, meiden den Platz, wo es passiert ist, träumen, haben "Flash-Backs" - also lähmende, blitzartige Erinnerungen -, während der sie sich genauso fühlen wie während der Tat. Die Erfahrung hat gezeigt, dass eine schnelle Therapie diese Folgen mindern oder sogar ganz vermeiden kann. So benötigten 70 Prozent der Patienten nur knapp fünf Therapiestunden. Besonderheit der Trauma-Ambulanzen: Die Opfer müssen sich nicht um die Finanzierung kümmern; die Versorgungsämter bezahlen in jedem Fall. Dieses Verfahren ist in Deutschland einzigartig. Normalerweise muss die Straftat zunächst aufgeklärt werden, bevor der Staat Geld in eine Reha-Behandlung investiert.

In Nordrhein-Westfalen gibt es Trauma-Ambulanzen in den folgenden Städten:

Aachen, Euskirchen, Bielefeld, Paderborn, Dortmund, Krefeld, Düsseldorf, Neuss, Viersen, Langenfeld, Duisburg, Dinslaken, Bedburg-Hau, Essen (2x), Datteln, Köln, Münster, Marsberg (2x) und Hamm.

Stichwort: Tag des Kriminalitätsopfers

Der Europäische Tag des Kriminalitätsopfers erinnert am 22. März jeden Jahres an die Situation der durch Kriminalität und Gewalt geschädigten Menschen, die auf Schutz, praktische Hilfe und Solidarität des Gemeinwesens angewiesen sind. Der Weiße Ring stärkt mit diesem Signal das öffentliche Bewusstsein. Die Versorgungsverwaltung NRW hilft im Rahmen des Opferentschädigungsgesetzes, die Polizei NRW begleitet Opfer in den ersten Minuten und Stunden nach der Tat und vermittelt sie unter anderem in Trauma-Ambulanzen oder zum Weißen Ring.

21.03.2005

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