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Tochter des Bauhaus-Künstlers Heinrich Neuy gründet Stiftung
Münster/Steinfurt. Regierungsvizepräsident Alfred Wirtz überreichte heute (13. Oktober) Hedwig Seegers, der Tochter des Bauhaus-Künstlers Heinrich Neuy, die Anerkennungsurkunde der jetzt gegründeten Heinrich-Neuy-Stiftung. Wirtz zeigte sich von Heinrich Neuys nicht immer leichtem, aber stets gradlinigem persönlichen Leben als Künstler und Handwerker, seiner lebenslangen Neugier und seinem bis ins hohe Alter praktizierten entdeckenden Lernen beeindruckt.
Hedwig Seegers hat seit 1989 die Werke ihres Vaters betreut und umfangreiches Material zusammengetragen. Dem Wunsch ihres Vaters folgend, überführt sie die Sammlung seiner künstlerischen Werke in eine Stiftung, damit sie der Nachwelt vollständig erhalten bleibt. In einem alten Stiftskurienhaus, das der Stiftung inzwischen gehört, werden nach dessen Umbau im Obergeschoss die Werke von Heinrich Neuy der Öffentlichkeit präsentiert. Im unteren Teil des Gebäudes entstehen ein Raum für die alte Borghorster Stiftsbibliothek, ein Raum für eine historische Ausstellung zur Geschichte des Hauses und der Stadt Borghorst sowie ein Cafe: Ein Treffpunkt also für Heimatfreunde, Kunstinteressierte und Bauhaus-Fans.
Der 1911 in Kevelaer geborene Neuy hat nach seiner Tischlerlehre und dem Besuch der Kunstgewerbeschule in Krefeld von 1930 bis 1932 am Bauhaus in Dessau studiert. Zu seinen Lehrern gehören Künstler und Architekten wie Wassily Kandinsky, Josef Albers, Ludwig Hilberseimer und Ludwig Mies van der Rohe. Die bei Kandinsky erworbenen Prinzipien der Farb- und Formgestaltung prägen ihn und sind deutlich in seinen Bildern zu erkennen. Nach dem Studium übernimmt er 1937 die Tischlerei seines Schwiegervaters in Steinfurt-Borghorst. Als Luftwaffensoldat dient er im Krieg und gerät in amerikanische und englische Kriegsgefangenschaft. Durch die Hilfe eines schottischen Arztes kann Heinrich Neuy in der Gefangenschaft seine Arbeit fortsetzen und erschafft mehrere "Gewitter"-Bilder sowie umfangreiche Zyklen zu den Themen "Lyrik" und "Freude". 1947 kehrt er nach Steinfurt zurück und nimmt den Tischlereibetrieb wieder auf. Erst ab 1960 stellt er seine Werke wieder aus. Er erarbeitet weitere Serien und Zyklen zu verschiedenen Themen. 1982 beginnt er mit dem Komponisten Buster Flood zusammen zu arbeiten. Flood vertont Neuys Bilder und inspiriert diesen zu bildhaften Kompositionen. 1989 eröffnet Heinrich Neuy eine eigene Galerie. 1994 ehren ihn das Bauhaus in Dessau und das Westfälische Landesmuseum in Münster mit einer großen Retrospektive. 1991 erhält er den Kulturpreis seiner Heimatstadt Steinfurt und 1996 den des Kreises Steinfurt. 2001 wird eine Grundschule in Borghorst nach ihm benannt. Im Jahr 2003 verstirbt er im Alter von 92 Jahren.
Stichwort Bauhaus:
Das "Bauhaus" nimmt in der Kulturgeschichte des 20. Jahrhunderts eine besondere Rolle ein. 1919 in Weimar gegründet und von Walter Gropius als erstem Direktor geleitet, war sie eine der ersten Hochschulen für Gestaltung und führte einige herausragende Architekten und Künstler ihrer Zeit zusammen. Neben pädagogischer Ausbildungsstätte und Produktionsort war das Bauhaus Zentrum internationaler Diskussionen. Das Bauhaus hatte sich der Frage nach der Beherrschbarkeit des Modernisierungsprozesses in der Industriegesellschaft mit Mitteln der Gestaltung gestellt. Die Trennung von Kunst und Produktion in einem Zurück zum Handwerk als Grundlage allen künstlerischen Schaffens aufzuheben und durch vorbildliche Gestaltungen Gegenstände und Räume für eine künftig humanere Gesellschaft zu schaffen, war Ziel des Bauhauses. 1924 zog das Bauhaus aufgrund gekürzter Mittel mit fast allen Meistern nach Dessau. Dort entstanden zwischen 1926 und 1932 berühmte Werke der Kunst und Architektur sowie einflussreiche Designentwürfe. 1933 löste sich das Bauhaus unter dem Druck der Nationalsozialisten selbst auf.
Rund 300 Werke von Heinrich Neuy im Wert von mehr als 700.000 Euro werden neben einem Barvermögen von knapp 30.000 Euro und dem kürzlich erworbenen alten Stiftskurienhaus in Steinfurt-Borghorst in die Stiftung einfließen.
Das Stiftungsvermögen muss in seinem vollen Wert erhalten bleiben. Zustiftungen und Spenden sind möglich und erwünscht.
Die Heinrich-Neuy-Stiftung ist die 32. im Kreis Steinfurt und die 337. im Regierungsbezirk Münster.
Tochter des Bauhaus-Künstlers Heinrich Neuy gründet Stiftung
13.10.2005

