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Trauma-Ambulanz in Iserlohn hilft Opfern von Gewalttaten

Schritt für Schritt zurück in das normale Leben: Trauma-Ambulanz in Iserlohn hilft Opfern von Gewalttaten

Münster/Iserlohn. Jeder kann Opfer einer Gewalttat werden, die plötzlich das weitere Leben beherrscht. Noch Jahre nach dem schrecklichen Ereignis sind Angstzustände, Depressionen, Schlafprobleme oder Persönlichkeitsstörungen mögliche Folgen eines kriminellen Vergehens. Schnelle und unbürokratische Hilfe für betroffene Erwachsene bietet jetzt die Trauma-Ambulanz der Hans-Prinzhorn-Klinik in Hemer, einer Fachklinik für Psychiatrie und Psychotherapie im Psychiatrie-Verbund des Landschaftsverband Westfalen-Lippe. Die Ambulanz ist in Iserlohn eingerichtet und heute (6. Juli) eröffnet worden. Das Angebot der Opferhilfeambulanz soll psychische Störungen verhindern, sie heilen oder bessern.

Die Bezirksregierung Münster hat mit der Hans-Prinzhorn-Klinik in Hemer eine Vereinbarung über ein Hilfsangebot für den Einzugsbereich des Versorgungsamtes Soest getroffen. In Einzelfällen hilft die neue Ambulanz auch Menschen aus dem Gebiet anderer Versorgungsämter. Das Land Nordrhein-Westfalen schreitet damit fort auf dem Weg zur besseren Versorgung von Gewaltopfern. Dieses Vorhaben wird von dem Grundsatz geleitet, über kurze Verwaltungswege und ohne viel Zeitverlust den Opfern zu helfen, deren Seele verletzt ist. Um zu verhindern, dass sich schwerwiegende Folgen nach einem psychischen Trauma entwickeln, ist es wichtig, möglichst zeitnah nach dem Ereignis Hilfe zu ermöglichen.

Bei der Eröffnung in Iserlohn hob Eugen Schneider von der Versorgungsverwaltung bei der Bezirksregierung Münster hervor, dass mit der Trauma-Ambulanz in Iserlohn neben Hamm und Marsberg (zwei) die vierte Einrichtung dieser Art im Bereich des Versorgungsamtes Soest zur Verfügung steht. "Wir sind gut gerüstet für unsere Aufgabe, Menschen zu helfen wieder in das normale Leben zurückzukehren, die durch gewaltsame Angriffe aus der Bahn geworfen wurden", so Schneider. "Das flächendeckende Netz an Opfer-Ambulanzen in Nordrhein-Westfalen ist wieder ein Stück dichter geworden".

Jährlich werden in Nordrhein-Westfalen etwa 50 000 Menschen Opfer einer vorsätzlichen Gewalttat. Glücklicherweise verarbeiten die meisten von ihnen das Geschehen auch ohne therapeutische Hilfen gut und es belastet sie dann nicht mehr. Bei rund 25 Prozent der Gewaltopfer besteht jedoch die Gefahr, dass als Spätfolgen psychische Störungen entstehen, wie "Flash Backs" - blitzartige Erinnerungen an die Tat -, Alpträume oder auch Suchtprobleme. Häufig erleben die Geschädigten auch körperliche Folgen wie ständige Schmerzen, Herzbeschwerden oder sexuelle Störungen. Viele Betroffene bekommen Schwierigkeiten im sozialen Umfeld, Probleme in der Partnerschaft oder am Arbeitsplatz. Es fällt ihnen schwer, den normalen Alltag zu bewältigen.

Die Gefahr, an Folgestörungen zu erkranken, kann durch frühzeitige Therapie verringert werden. Vielfach genügt eine therapeutische Begleitung der Opfer über nur wenige Stunden, um das seelische Gleichgewicht wiederzuerlangen. So benötigen 70 Prozent der Patienten maximal bis zu fünf Therapiestunden. Die Trauma-Ambulanz bietet eine Therapie mit bis zu fünf und bei Bedarf auch bis zu fünfzehn Stunden. Eine Therapie sollte mit dem Einsetzen der ersten Symptome begonnen werden. Eine Nachuntersuchung nach sechs Monaten schließt sich der Behandlung an.

In Deutschland einzigartig, bieten die Trauma-Ambulanzen in Nordrhein-Westfalen eine Besonderheit: Die Opfer müssen sich nicht um die Finanzierung kümmern, denn die Versorgungsämter übernehmen die Kosten.

Mit der Eröffnungsfeier hat die Opferhilfeambulanz ihre Arbeit aufgenommen. Sie ist eingerichtet in der Instituts-Ambulanz Hardtstraße 47a in Iserlohn. Opfer können sich direkt an die neue Einrichtung wenden, die unter der Telefonnummer: 02371-8096-0 rund um die Uhr zu erreichen ist.

In Nordrhein-Westfalen gibt es nunmehr insgesamt 22 Trauma-Ambulanzen an folgenden Standorten: Aachen, Euskirchen, Bielefeld, Paderborn, Dortmund, Krefeld, Düsseldorf, Neuss, Viersen, Langenfeld, Duisburg, Dinslaken, Iserlohn, Bedburg-Hau, Essen (2x), Datteln, Köln, Münster, Marsberg (2x) und Hamm.

06.07.2005

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