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Motorradfahrer im toten Winkel
Sommer, Sonne, Unfälle: Autobahnpolizei befürchtet mehr Unglücke auf den Strecken im Bezirk
"Grundregeln der Straßenverkehrsordnung einhalten"/ Motorradfahrerverursachen Unfälle häufig selbst/Starke Maschinen verleiten zum Rasen
Münster. Angesichts von Ferienbeginn und Wetterumschwung befürchtet die Autobahnpolizei der Bezirksregierung Münster steigende Unfallzahlen mit Motorradfahrern in den kommenden Wochen. Angesichts der hohen Geschwindigkeiten auf der Autobahn appellierte heute (30. Juli) Erich Nierhoff, Leiter der Autobahnpolizei Münster: "Selbst kleine Fahrfehler und Unaufmerksamkeiten führen zu Verkehrsunfällen mit Toten und Verletzten. Nur wenn Autofahrer und Motorradfahrer aufeinander Rücksicht nehmen, mehr voneinander Wissen und die Grundregeln der Straßenverkehrsordnung im Straßenverkehr beachten, haben wir die Chance auf eine Saison ohne schwerwiegende Unfälle."
Seit dem Jahr 2000 verdoppelt sich die Zahl der Motorradfahrer, die bei einem Unfall auf den 330 Autobahnkilometern im Bezirk getötet werden, jährlich. In 2003 starben sechs Fahrer. Nierhoff: "Auch wenn wir nur einen kleinen Anteil an der NRW-Bilanz von 157 getöteten Fahrern in 2003 haben, darf uns das hinter dieser Zahl verborgene menschliche Leid nicht unberührt lassen."
Die Haupt-Unfallursachen auf Seiten der Motorradfahrer sind klar: In den allermeisten Fällen spielt eine überhöhte Geschwindigkeit eine Rolle, an zweiter Stelle zu geringer Abstand zum Vordermann. Auch Fehler beim Ausscheren zum Überholen oder gar das Rechts-Überholen sind die Ursache für viele (Fast-)Unfälle. Die Aufgabe der freiwilligen Leistungs-Beschränkung bei Motorradherstellern und die Produktion immer stärkerer und schnellerer Maschinen trägt nach Ansicht der Autobahnpolizei nicht gerade dazu bei, die Besitzer zu einer entspannten Fahrweise zu bewegen. Nierhoff: "Es ist bedenklich, dass Motorräder in den allermeisten Fällen nur nach ihrer PS-Leistung und der Endgeschwindigkeit beurteilt werden." Doch der so genannte "Bumms" – in der Motorradsprache ein rühmender Ausdruck für eine starke Beschleunigung - verleitet viele Motorradfahrer mit mangelnder Erfahrung zum Rasen.
Von 64 Motorrad-Unfällen im Jahr 2003 wurden 46 von den Kradfahrern selbst verursacht. In den allermeisten Fällen (40) trugen die Motorradfahrer und –Mitfahrer schwere Verletzungen davon.
"Doch auch die Autofahrer müssen im Umgang mit Motorradfahrern noch viel lernen", ist Rainer Bernickel, Verkehrssicherheitsberater der Autobahnpolizei Münster, überzeugt. Wer nicht ständig per Rückspiegel die Straße hinter sich im Augen behält, dem entgeht womöglich, dass sich innerhalb von Sekunden ein Motorradfahrer mit hoher Geschwindigkeit genähert hat. Ist dieser dann noch im "toten Winkel" des Autofahrers, ist die gefährliche Situation beim nächsten Überholvorgang des Autofahrers vorprogrammiert. Mindestens einer von zwei schweren Unfällen Mitte Juli auf der A 1 zwischen Ascheberg und Werne wurde durch diese Verkettung unglücklicher Umstände verursacht.
30.07.2004

