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Erste Hilfe für die Seele

Opferhilfeambulanz Gilead behandelt psychische Folgen von Gewalt

Münster/Bethel. Schnelle und unbürokratische Hilfe für Gewaltopfer leistet die Opferhilfeambulanz Gilead. Das neue Angebot basiert auf der Erkenntnis, dass etwa 25 Prozent der Menschen, die körperliche Gewalt erfahren haben, als Folgekrankheit eine "posttraumatische Belastungsstörung" (PTBS) entwickeln. Symptome können Albträume, Schlafstörungen, Vermeidungsverhalten und Rückzug sein. Das Angebot der Opferhilfeambulanz soll diese Störungen nach Möglichkeit bereits im Vorfeld verhindern.

Die Bezirksregierung Münster hat mit dem Zentrum für Psychiatrie und Psychotherapeutische Medizin Gilead (ZPPM) in Bethel eine Vereinbarung über eine Opferhilfeambulanz abgeschlossen für den Bereich des Versorgungsamtes Bielefeld und in Einzelfällen für die angrenzenden Versorgungsämter Soest und Münster. Damit beschreitet das Land NRW neue Wege in der Verbesserung der Leistungen für Opfer von Gewalttaten. Der oberste Grundsatz für die Entschädigung von Gewaltopfern lautet, die Gesundheit der Betroffenen so gut und vor allen Dingen so schnell wie möglich wiederherzustellen.

Bei der offiziellen Eröffnung am Donnerstag (17. Juni) unterstrich Abteilungsdirektor Gerhard Hösel von der Bezirksregierung Münster die Bedeutung der künftigen unbürokratischen Zusammenarbeit zwischen der Opferhilfeambulanz Gilead, dem regional zuständigen Versorgungsamt Bielefeld, den Versorgungsämtern Soest und Münster sowie der Polizei und dem Weißen Ring.

Mehr als die Hälfte aller Menschen wird im Leben mindestens einmal mit einem außergewöhnlich bedrohlichen, psychisch traumatisierenden Ereignis konfrontiert, das

bei den meisten Betroffenen zunächst tiefe Verzweiflung hervorruft. Glücklicherweise verarbeiten die meisten das Erlebte ohne längerfristige seelische Schäden. Jeder vierte allerdings entwickelt in den ersten sechs Wochen nach dem Trauma Symptome der so genannten „Posttraumatischen Belastungsstörung“ (PTBS). Daneben kann es zur Entwicklung weiterer psychischer Störungen wie Depressionen oder Angststörungen oder zu Suchtproblemen kommen. Häufig hat eine Gewalterfahrung auch körperliche Folgen wie andauernde Schmerzen, Herzbeschwerden oder sexuelle Störungen. Viele Betroffene bekommen soziale Probleme, Probleme in der Partnerschaft oder am Arbeitsplatz.

Um zu verhindern, dass sich solche schwerwiegenden Folgen nach einem psychischen Trauma entwickeln, ist es wichtig, möglichst sofort beim Auftreten von ersten Beschwerden nach dem Ereignis Hilfe zu suchen. Die Wahrscheinlichkeit an einer PTBS oder andere Folgestörungen zu erkranken, kann durch eine schnelle Therapie verringert werden. Genau das ist die Aufgabe der Opferhilfeambulanz.

Bei einfachen Traumatisierungen genügt vielfach eine therapeutische Begleitung über nur wenige Stunden, um das seelische Gleichgewicht wiederzuerlangen. Schwere oder wiederholte Gewalterlebnisse erfordern allerdings in der Regel eine umfangreichere Unterstützung und längerfristige Behandlungen in einer therapeutischen Einrichtung. Die neue Opferhilfeambulanz in der Psychiatrischen Institutsambulanz des ZPPM in Bethel ist Ansprechpartner für die Betroffenen, klärt den Hilfebedarf und bietet entweder selbst die Therapie an oder vermittelt Beratungs- und Therapieplätze.

Die Opferhilfeambulanz bietet fünf bis acht Therapiesitzungen, die mit Einsetzen erster Symptome, also kurz nach dem Trauma beginnt und spätestens acht Wochen danach beendet sein sollten. Dazu gehört eine Nachuntersuchung nach sechs Monaten.

Die Opferhilfeambulanz Gilead kooperiert mit der Klinik für Psychotherapeutische und Psychosomatische Medizin des Evangelischen Johanneskrankenhauses in Bielefeld. Verantwortlich für die Opferhilfeambulanz Gilead ist die Leiterin der Psychiatrischen Institutsambulanz, des ZPPM, Oberärztin Dr. Steffi Koch-Stoecker. Eine enge Zusammenarbeit mit den Opferschutzbeauftragten der Polizei ist bereits angelaufen.

Die Opferhilfeambulanz Gilead hat die Arbeit bereits im Mai diesen Jahres aufgenommen; sie ist eingerichtet in der Institutsambulanz des Zentrums für Psychiatrische und Psychotherapeutische Medizin der Kliniken Gilead an der Gadderbaumer Straße 33 am Bethel-Eck.

Mit einer Eröffnungsfeier hat die Opferhilfeambulanz heute offiziell die Arbeit aufgenommen. An der Veranstaltung im ZPPM Gilead beteiligt waren neben der Bezirksregierung Münster und dem Versorgungsamt Bielefeld sowie den Kliniken Gilead auch der Psychiatriebeirat der Stadt Bielefeld, das Kommissariat für Vorbeugung der Polizei Bielefeld, die Opferhilfe-Organisation Weißer Ring sowie die Kassenärztliche Vereinigung.

Opfer können sich direkt an die neue Einrichtung an der Gadderbaumer Straße 33 am Bethel-Eck in Bielefeld wenden Telefonnummer: 0521-1440.

Bei Fragen wenden Sie sich bitte an das Versorgungsamt Bielefeld, Ansprechpartner: Herr Kuhlmann, Telefon: 0521/599-333


Das Versorgungsamt Bielefeld ist zuständig für: Altenbeken, Augugstdorf, Bad Driburg, Bad Lippspringe, Bad Oeynhausen, Bad Salzuflen, Barntrup, Beverungen, Bielefeld, Blomberg, Borchen, Borgentreich, Borgholzhausen, Brakel, Bünde, Büren, Delbrück, Detmold, Dörentrup, Enger, Espelkamp, Extertal, Gütersloh, Halle, Harsewinkel, Herford, Herzebrock-Clarholz, Hiddenhausen, Hille, Horn-Bad Meinberg, Hövelhof, Höxter, Hüllhorst, Kalletal, Kirchlengen, Lage, Langenberg, Lemgo, Leopoldshöhe, Löhne, Lichtenau, Lübbecke, Lügde, Marienmünster, Minden, Nieheim, Oerlinghausen, Paderborn, Petershagen, Porta-Westfalica, Preußisch Oldendorf, Rahden, Rheda-Wiedenbrück, Rietberg, Rödinghausen, Salzkotten, Schieder-Schwalenberg, Schlangen, Schloß Holte-Stukenbrock, Spenge, Steinhagen, Steinheim, Sternwede, Verl, Versmold, Vlotho, Warburg, Werther, Willebadessen und Wünneberg

17.06.2004

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