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Tödliche Dachlasten - eine unterschätzte Gefahr
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Münster. Es ist ein Albtraum für Autofahrer: Vom vorausfahrenden Lkw lösen sich Eis und Schnee, durch den Fahrtwind werden sie vom Dach direkt auf die Autobahn geweht - oder auf nachfolgende Autos. "Dachlasten auf Lkw sind eine noch immer unterschätzte Gefahr", ist Polizeihauptkommissar Rainer Bernickel von der Autobahnpolizei der Bezirksregierung Münster überzeugt. "Viel zu wenige Lkw-Fahrer kommen auf die Idee, dass Eisschollen und Schnee für die Verkehrsteilnehmer hinter ihnen schnell zu einer tödlichen Gefahr werden. Um Gefahrenbewusstsein zu schaffen und private Betreiber von Autohöfen und Raststätten zu motivieren, hat die Autobahnpolizei Münster heute (29. Dezember) gemeinsam mit neun Interessensverbänden des automobilen Gewerbes die Aktion "Sicher durch den Winter" gestartet. Unter den teilnehmenden Verbänden befinden sich auch der ADAC und der Deutsche Verkehrssicherheitsrat.
"Wir appellieren an die Lkw-Fahrer, die Gefahren, die im Winter von ihren Fahrzeugen ausgehen können, nicht zu unterschätzen", so Bernickel. Allein, wenn sich Eisschollen lösen und auf die Fahrbahn rutschen, handele sich der Fahrer schon eine Ordnungswidrigkeiten-Anzeige ein. Würden durch die Geschosse Menschen verletzt oder getötet, ermittele die Staatsanwaltschaft wegen fahrlässiger Körperverletzung oder fahrlässiger Tötung. Beide Verfahren richten sich gegen den Halter und den Fahrer des Lkw. Bernickel: "Leichtfertigkeit oder mangelndes Interesse an dieser Problematik können tödliche Folgen haben - und den Fahrer womöglich zusätzlich um seinen Job bringen."
Auf dem Autohof in Ladbergen stellten Bernickel sowie seine Projektpartner eine Anlage vor, die es Brummi-Fahrern ermöglicht, ohne Gefahr ihr Dach von den Lasten zu befreien. Es handelt sich um eine hydraulische Hebebühne, die den Fahrer bis zur Dachkante hebt und es ihm somit ermöglicht, die Eisschollen mit einem Wisch mit dem Besen zu entfernen. Die Anlage wird noch bis Mitte Januar probeweise auf dem Autohof kostenlos bereit stehen. Danach jedoch, so die Autobahnpolizei Münster, müsse das Engagement von Betreibern von Tankstellen, Autohöfen und Raststätten entlang der Autobahnen getragen werden. Neben der hydraulischen Hebebühne gebe es noch preiswertere Lösungen, beispielsweise ein simples Gerüst, auf dem der Lkw-Fahrer sicher in die Höhe klettern kann.
Während wahre Schneeverwehungen auf Lkw-Dächern im gemäßigten Münsterland-Klima eher selten sind, müssen Lkw-Fahrer mit Eisschollen immer rechnen. Rainer Bernickel: "Wir beobachten es sehr oft, dass sich Lkw-Fahrer abends auf eine Raststätte stellen, und am nächsten Morgen ist das Wasser des Vortages auf dem Lkw-Dach durch einen Witterungsumschwung gefroren."
Die Demonstration der Dach-Last-Reinigungs-Anlage in Ladbergen war Auftakt einer bundesweiten Aktion. In allen Bundesländern initiieren die Autobahnpolizei sowie die Projektpartner entsprechende Informations-Termine. Sie verteilen einen Flyer und beraten potenzielle Betreiber dieser Anlagen.
29.12.2003



