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Erste Hilfe für die Seele: Neue Ambulanz für traumatisierte Kinder

Gemeinsame Pressemitteilung des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe und der Bezirksregierung Münster:

Marsberg/Münster. Das missbrauchte Mädchen; der misshandelte Junge; Soforthilfe suchende Polizisten oder Jugendamtsmitarbeiter vor Ort; minderjährige Gewaltopfer, die ihr traumatisches Erleben als Zeugen vor Gericht, Aug’ in Aug’ mit dem Täter, erneut durchleiden – in Westfalen-Lippe haben sie jetzt eine weitere Hilfe-Adresse: die Trauma-Ambulanz speziell für Kinder und Jugendliche in Marsberg. Ähnliche Angebote gibt es bislang nur in Datteln und - seit kurzem - in Hamm.

An der Marsberger LWL-Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und –psychotherapie richten der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL), die Bezirksregierung Münster und ihr Versorgungsamt in Soest die neue Ambulanz ein. „Schnell und ohne Papierkrieg“, so Sozialabteilungsleiter Gerhard Hösel von der Bezirksregierung, erfahren dort junge Gewaltopfer professionelle Unterstützung. Bei der Vertragsunterzeichnung heute (17.2.03) in Soest unterstrich Hösel die Bedeutung der künftigen unbürokratischen Zusammenarbeit zwischen der Klinik, dem regional zuständigen Versorgungsamt Soest und der Polizei vor Ort: „Wir starten in dieser Region ein Netzwerk der Hilfe, um den Opfern eine schnellstmögliche Betreuung zu garantieren.“ Weitere Knotenpunkte dieser Opfer-Soforthilfe seien an den kinder- und jugendpsychiatrischen Ambulanz-Niederlassungen der Marsberger LWL-Klinik in Paderborn und in Meschede „angedacht“, so Dr. Falk Burchard, Chefarzt der Marsberger Kinder- und Jugendpsychiatrie.

Albträume, angstvolle Erinnerungen - die so genannten „Flash-Backs“ -, Panik-Attacken und Depressionen, Suizid-Gedanken oder Flucht in die Sucht – die möglichen langfristigen Folgen für Kinder und Jugendliche, die Opfer eines Verbrechens wurden, sind schwer wiegend. „Mit der schnellen psychotherapeutischen Behandlung erhöhen wir die Chancen des Opfers, keine dauerhaften Schäden zu behalten“, erläutert Burchard. Das Ambulanz-Team aus Fachärzten, Psychologen, Psychotherapeuten und Pflegekräften unter der Leitung einer Psychiaterin mit psychotraumatologischer Zusatzqualifikation will akute wie auch langfristige Beeinträchtigungen infolge schockartiger Erlebnisse schneller erkennen und behandeln.

Ab sofort richtet sich das Marsberger Hilfeangebot (Telefon 02992/601-04) an Betroffene im Hochsauerlandkreis sowie in den Kreisen Paderborn und Höxter. Meist werden die Polizei bzw. die Jugendhilfe vor Ort betroffene Kinder zunächst in ihre Obhut nehmen und die Trauma-Ambulanz verständigen. Das Versorgungsamt Soest ist ebenfalls rund um die Uhr erreichbar und sichert die Kostenübernahme zu. Die Therapie kann beginnen, bereits wenige Stunden nach der Tat. Die Fachleute fangen die Kinder in ihrer Angst und ihrem Schock auf, helfen im Gespräch und schätzen zugleich den weiteren Therapieverlauf ein. Wenn nötig, können sie den jungen Patienten bis zu drei Tage stationär aufnehmen.

Die Hilfe reicht noch weiter: Bei einer Aussage vor Gericht durchleiden viele Opfer die Tat noch einmal, Fachleute sprechen von „sekundärer Viktimisierung“. Besonders bei Gewalt in der Familie, wenn Kinder gegen ihre Eltern oder Verwandte aussagen müssen, ist der Auftritt vor Gericht extrem belastend. Aufgrund der jetzt getroffenen Vereinbarung können die Fachleute der Marsberger Klinik die Kinder und Jugendlichen bei Gerichtsterminen begleiten.

Etwa 13 Prozent aller Jugendlichen werden nach Expertenschätzung zwischen 14 und 24 Jahren Opfer von körperlicher Gewalt, sexuellem Mißbrauch oder Vergewaltigung. 1,3 Prozent der Bevölkerung in Deutschland leidet irgendwann im Leben an einer sogenannten „Posttraumatischen Belastungsstörung“.

04.09.2003

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