Sie sind hier:
Erste Abiturprüfung in jüdischer Religionslehre seit dem Zweiten Weltkrieg
Münster. Zum ersten Mal seit dem Zweiten Weltkrieg hat eine Schülerin in Münster ihre Abiturprüfung in „Jüdischer Religionslehre“ abgelegt. Die 18-jährige Münsteranerin Lia von Hoensbroech absolvierte heute (Montag, 13. Mai) ihre mündliche Prüfung am Schlaun-Gymnasium und erzielte ein glattes „sehr gut“.
Jahrzehntelang hatten jüdische Schülerinnen und Schüler keine Möglichkeit, ihren Religionsunterricht in oder um Münster zu erhalten. Sie fuhren regelmäßig zur jüdischen Gemeinde nach Dortmund. Anfang diesen Schuljahres jedoch erteilte die Bezirksregierung Münster dem Kantor der jüdischen Gemeinde Münster, Efraim Yehoud-Desel, eine Lehrerlaubnis. Seit August 2002 unterrichtet er nun z.Zt. ca.35 Schüler aus Münster und Umgebung in dem Fach, aufgeteilt in drei Altersgruppen.
In der etwa halbstündigen Prüfung unter Vorsitz des schulfachlichen Dezernenten der Bezirksregierung Münster, Johannes Kaiser, musste Lia von Hoensbroech ausgehend von einem Text aus der jüdischen Liturgie u.a.jüdische Festtage erläutern, werten und zu weiteren Problembereichen der jüdischen Theologie Stellung nehmen. Johannes Kaiser: „Sie hat diese Aufgabe mit Bravour gelöst.“
Kaiser sieht in dieser ersten Prüfung in jüdischer Religionslehre in Münster einen wichtigen Schritt in Richtung Normalität und hofft, das Unterrichtsangebot künftig noch ausweiten zu können.
05.09.2003

