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Oberflächengewässer


Entwicklung, Unterhaltung und Ausbau der Ems

Umgestaltung Emsabschnitt bei Einen im Kreis Warendorf.

Der umgestaltete Emsabschnitt bei Einen (Kreis Warendorf). © Bezirksregierung Münster

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Die Bezirksregierung Münster ist für die Entwicklung, die Unterhaltung und den naturnahen Ausbau der Ems im landes­eigenen Abschnitt zwischen Warendorf und Rheine verantwortlich. Das Ziel ihrer Arbeit ist es, den Fluss und seine Aue als natürlichen Lebensraum in der Landschaft zu erhalten und zu reaktivieren. Dabei sind der ordnungs­gemäße Wasser­abfluss und der Hochwasser­schutz in der Entwicklung der Ems zu berücksichtigen.

Die Ems ist gemäß § 2 des Landes­wasser­gesetzes (LWG) ein Gewässer 1. Ordnung. Damit liegt sie auf 80 Kilometern zwischen Warendorf und Rheine in der Zuständigkeit des Landes Nordrhein-Westfalen.

Die Aufgaben der Bezirksregierung Münster sind:

  • Umsetzung des Ems-Auen-Schutzkonzeptes,
  • Durchführung von Gewässerunterhaltung und -entwicklung an der Ems,
  • Vergabe und Überwachung von Baumaßnahmen an Gewässern, an Wehren und Brücken,
  • Hochwasserwarndienst Ems.

Gewässerunterhaltung

Die Bezirksregierung ist für den landeseigenen Emsabschnitt unterhaltungspflichtig. Das bedeutet, dass sie

  • Brücken,
  • Einlaufbauwerke,
  • Wehre und
  • Fischtreppen

wartet, repariert und notwendigenfalls auch ersetzt. Auch die Wahrnehmung der Verkehrssicherungspflicht, die zum Beispiel die Standfestigkeitskontrollen an Bäumen auf den landesseignen Flächen beinhaltet, gehört zu diesen Aufgaben.

Wandel von der technischen zur naturnahen Bedarfsunterhaltung

Insbesondere bei der Pflege der Gewässerstrecke haben sich die Aufgaben im Laufe der Zeit von der rein technischen zur naturnahen Bedarfsunterhaltung gewandelt. Die veränderte Gesetzgebung hat dazu ebenso wie die verbindliche Einführung der Richtlinie für die Entwicklung naturnaher Fließgewässer in Nordrhein-Westfalen, der sogenannten Blauen Richtlinie, beigetragen. Zusätzlich fordert seit dem Jahr 2000 die EU-Wasserrahmenrichtlinie (WRRL), dass die Bewirtschaftungsziele guter Zustand beziehungsweise gutes ökologisches Potential erreicht werden. So muss Gewässerunterhaltung heute sowohl einen ordnungsgemäßen Abfluss sicherstellen, als auch dem Anspruch genügen, die ökologischen Funktionen des Gewässers zu erhalten und zu entwickeln.

Durch diese Vorgaben ist es auch in der Gewässerunterhaltung möglich, durch Handeln oder Unterlassen Gewässer gezielt in einen naturnahen Zustand zurückzuführen.

In der Praxis gehört es heute zu den Aufgaben des landeseigenen Bauhofes in Westbevern,

  • ehemals zur Böschungsbefestigung eingebaute Materialien wieder zu entfernen,
  • Totholz als Strukturelement dauerhaft im Gewässer zu sichern,
  • Einlaufbauwerke und Querbauwerke wenn möglich zu entfernen oder sie für Wasserorganismen durchgängig zu machen.

Eine sorgfältige Abwägung der Interessen aller Betroffenen ist selbstverständliche Voraussetzung für derartige Maßnahmen. Wenn zum Beispiel eine Rohrleitung die einzige Verbindung eines Altarms mit der Ems darstellt, muss im Vorfeld geklärt werden, ob es Wegeverbindungen, beispielweise zu landwirtschaftlichen Nutzflächen, gibt. Ist das der Fall, stellt eine Furt eine mögliche Lösung dar, um dem Bewirtschafter die Befahrung und bei höheren Wasserständen auch den Fischen das Schwimmen zu ermöglichen.

Ems-Auen-Schutzkonzept (EASK)

1990 wurde in Nordrhein-Westfalen das Gewässerauenprogramm ins Leben gerufen. Mit dem Ziel, die Funktionen von Gewässer und Aue besser zu verzahnen, verfolgt es die Belange von:

  • Naturschutz,
  • Wasserwirtschaft und
  • Gewässerschutz.

Die Ems und ihre Aue wurden unter dem Titel Ems-Auen-Schutzkonzept (EASK) zum Pilotprojekt des Gewässerauenprogramms. Eine Vielzahl von Maßnahmen wurde inzwischen, zum Teil auch mit finanzieller Unterstützung der Europäischen Union durch die Förderprogramme LIFE und LIFE+, umgesetzt.

Bauprojekte an der Ems

Baggerarbeiten beim Ausbau der Ems.

Öffnung eines Initialgerinnes an der Ems in Einen im Kreis Warendorf. © Bezirksregierung Münster

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Bei den Bauprojekten handelt es sich sowohl um technische Bauwerke, wie Brücken, als auch um Projekte, die zur ökologischen Verbesserung der Ems und ihrer Aue beitragen. Diese sollen Gewässer und Aue ihr ursprüngliches Aussehen und ihre natürlichen Funktionen im Landschaftsbild zurückgeben. Die Wiederherstellung der Durchgängigkeit für Fische und andere Wasserorganismen ist ein Beispiel für ein „ökologisch motiviertes Projekt“.


Reaktivierung des Ems-Altarms Hembergen

Ems-Auen-Schutzkonzept

Silberweidenauwald im Frühjahr © Bezirksregierung Münster

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Im Zuge des begradigten Ausbaus der Ems in den 1930er Jahren wurde der Altarm Hembergen von dem Hauptlauf abgetrennt. Nach sorgfältiger Abwägung hat man sich im Planfeststellungsverfahren für den Wiederanschluss des Altarms an die Ems entschieden. Ein Teil des abgeschnittenen Altverlaufes ist inzwischen verlandet. Dort hat sich ein Silberweidenauenwald entwickelt. Dieser ist als geschützter Lebensraum auf jeden Fall zu erhalten. Um eine häufige Überflutung und Durchströmung dieses Auenwaldes zu erreichen, wird er über eine Flutmulde mit der neuen Ems verbunden. Unter südlicher Umgehung dieses vorhandenen Auenwaldes im Einlaufbereich, wird die Ems in ein neues, etwa 2.200 m langes Bett verlegt.


Reaktivierung historischer Emsstrukturen in Höhe der Bevermündung

Am 5. November 2012 begann die Bezirksregierung das Bauprojekt mit eigenem Personal und einem geliehenen Bagger. Es sollten die historischen Emsstrukturen in Höhe der Bevermündung reaktiviert werden. Hierfür wollte man der Bever auf den letzten 200 Metern zur Ems ein naturnahes Bett zurück geben. Gestartet wurde, nachdem die Einwilligung des Grundstücks­eigentümers und die wasserrechtliche Genehmigung vorlagen und noch ein Blindgängerverdachtspunkt untersucht worden war.

Innerhalb von vier Wochen wurden circa 10.000 Kubikmeter Boden aus der Aue entfernt, um eine tieferliegende Sekundäraue als Grundlage für einen nassen Hartholzauenwald zu schaffen. Der neue Beververlauf zeichnet sich durch unterschiedliche Wassertiefen und Gewässerbreiten aus. Er wird durch Wurzelstubben und Baumstämme als Totholz gelenkt. Eigendynamische Weiterentwicklung ist das zentrale Anliegen, das die Bezirksregierung Münster hier verfolgt.


LIFE+-Projekt Einen

4,5 Kilometer Ems und Hessel sind im Warendorfer Ortsteil Einen von 2010 bis 2014 bearbeitet worden, um eine naturnahe Entwicklung von Fluss und Aue zu initiieren. Links und rechts der Emsbrücke an der L 548 ist unter Einsatz großer Baumaschinen gearbeitet worden:

  • Uferbefestigungen wurden zurückgebaut,
  • ein neues, breiteres Gewässerbett gestaltet,
  • Ersatzauen, Stillgewässer und Sanddünen angelegt sowie
  • Totholz verbaut.

Die Ems ist so wieder zu einem strukturreichen Fließgewässer geworden, dessen Aue durch den wiederkehrenden Wechsel von Überflutungen und Trockenfallen geprägt wird. In und am Gewässer sind neue Strukturen entstanden, wie:

  • Inseln,
  • Gleit- und Steilufer sowie
  • Stillgewässer und Auenwald in den begleitenden Flächen.

Die Landschaft wird sich weiter entfalten und die Kraft des fließenden Wassers wird genutzt, damit sich Gewässerbett und Aue künftig selbst weiterentwickeln.


LIFE+ Projekt: „Naturnahe Gewässser und Auenentwicklung der Ems bei Einen – Eigendynamik und Habitatvielfalt“

Uferschwalben

Von der neu gewonnenen Eigendynamik profitieren die Uferschwalben. © Bezirksregierung Münster

Im ersten Bauabschnitt 2009 wurde außerhalb des LIFE-Projektes die Lonn-Brücke neu errichtet, dann das neue Emsbett südlich des alten Emsverlaufes hergestellt. Der umgestaltete Emsverlauf hat sich im Jahr 2010 bereits sehr naturnah entwickelt. Die Baumaßnahmen in Einen wurden im Jahr 2010 mit dem LIFE-Projekt fortgesetzt.

Ende 2013 war das letzte Etappenziel mit der Umgestaltung von drei Sohlbauwerken in fischdurchgängige Rampen erreicht. 4,5 Kilometer naturnah gestaltete Ems und begleitende Aue konnten am 28. Juni 2014 mit dem Ems-Auen-Fest der Bevölkerung vorgestellt werden.

Das Projekt wurde mit einem Gesamtvolumen von 4,5 Millionen Euro verwirklicht. Die Europäische Union beteiligte sich über das Förderprogramm LIFE+ mit 1,42 Millionen Euro. Mit dem Finanzierungsinstrument LIFE+ fördert die Europäische Kommission Projekte aus den Bereichen Umwelt- und Naturschutz.

Maßgeblicher Gestaltungsgrundsatz war es, der Ems die Elemente zurückzugeben, die durch Ausbau und Begradigung verloren gegangen waren. Der Gedanke der Vernetzung gewässertypischer Biotope mit der neugeschaffenen Ersatz- oder Sekundäraue zog sich wie ein roter Faden durch die ersten Planungen bis zur Ausführung.

In diesem Projekt hat man sich bewusst dagegen entschieden, die vorhandenen Altarme wieder an den Emslauf anschließen zu wollen. Stattdessen hat man sogenannte Initialgerinne geschaffen, die parallel zum heutigen Gewässerverlauf als flache, schmale Gerinne gebaggert werden. Nachdem diese an den Emslauf angeschlossen sind, wird der Hauptlauf mit einem Zwischendamm verschlossen. Die jetzt einsetzende Erosion sorgt für die gewässertypische Abfolge von:

  • Gleit- und Prallufern,
  • Steilhängen,
  • Uferabbrüchen und
  • Sandbänken.

Dieses Gestaltungsprinzip folgt der Erkenntnis, dass Fluss und Natur am besten wissen, was sie brauchen. Flächenpuffer zu angrenzenden Privatflächen sorgen dafür, dass die Eigendynamik keinen Schaden am Eigentum Dritter erzeugt. Totholz, also ganze, in der Strömung fest verankerte Bäume, sorgen für Strömungsdynamik und schaffen zusätzliche Lebensräume. Infrastruktur in der Aue, wie zum Beispiel Gasleitungen und Strommasten, werden durch sogenannte schlafende Sicherungen aus Steinen und Weidensetzstangen geschützt. Bei fortschreitender Erosion wird die Ems durch diese Sicherung in ihr Bett zurückgelenkt.

Das Monitoring, als Teil der notwendigen Projektbegleitung, zeigt die ersten Erfolge auf: Im renaturierten Abschnitt der Ems gibt es, vier Jahre nach Beginn der Umgestaltung, eine hohe Eigendynamik, die ein Mosaik von alten und neuen Lebensräumen in Aue und Fluss entstehen lässt. Unterstützt wird dieser Erfolg durch die Verbesserung der Durchgängigkeit und punktuelle Maßnahmen, wie das Einbringen von Totholz und die einseitige Anbindung von Altwässern. Pionierarten zeigen die große Dynamik an, die hier entstanden ist. Eng benachbart vermehren sich sowohl strömungsliebende Arten als auch solche, die eher an Stillgewässer angepasst sind. Auch der neu entstandene, noch junge Auwald oder die ständigem Wechsel unterliegenden offenen Sandflächen sind hochattraktive neue Biotope.


Hochwassermeldedienst für die Ems

Ermittlung des Pegelstandes an der Ems.

Der Wasserstand wird aus den Pegelständen der sechs Ems-Pegel und den acht Pegeln im Emseinzugsgebiet abgeleitet. © Bezirksregierung Münster

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Die Bezirksregierung Münster betreibt zur Früherkennung von Hochwasser­gefahren einen Hochwasser­meldedienst für die Ems. Die Fernübertragung von Messdaten über Wasserstände und Niederschläge sowie meteorologische Informationen ermöglichen es, die Hochwasserlage einzuschätzen. Außerdem können auf dieser Basis Trends und Prognosen erstellt werden.

Überschreiten die Pegelstände die in der Hochwassermeldeordnung festgelegten Grenzen, alarmiert der Hochwassermeldedienst die Kreisleitstellen. Die Kreisleitstellen informieren die entsprechend der Gefahrenlage zuständigen Empfangsstellen. Diese veranlassen dann konkrete Maßnahmen zur Gefahrenabwehr.


Wissenswertes und Kurioses über die Ems

  • Alle Nebenflüsse kommen von rechts, mit Ausnahme der Werse.
  • Die deutsch-französische Grenze lag von 1810 bis 1813 bei Einen an der Ems im Kreis Warendorf.
  • Die Ems besitzt ein außerordentlich weites Verhältnis zwischen niedrigstem Niedrigwasser und höchstem Hochwasser von 1 : 800. Dementsprechend gibt es Schwankungen der Wassertiefe von wenigen Dezimetern bis hin zu fünf bis sieben Metern in Abhängigkeit vom Abfluss.
  • Greven hatte in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine Werft, auf der Lastkähne – die sogenannten Emspünten – gebaut wurden. Das älteste Schiff auf der Ems ist vermutlich ein Einbaum von circa 1.300 n. Chr., der in der Werse gefunden wurde.
  • Das Wort „Ems“ ist vermutlich indogermanischen Ursprungs und bedeutet „großes, fließendes Wasser“.
  • Ems und Lippe hatten bis zum Ausbau des Grubebaches im Bereich der Mastholter Niederung (Kreis Gütersloh) zum Bokel-Mastholter Hauptkanal keine definierte Wasserscheide. Dies führte bis ins vorige Jahrhundert zu erheblichen Hochwasserproblemen.
  • Die Alme bei Brilon war vor der Saale-Vereisung (vorletzte Eiszeit) der gemeinsame Oberlauf von Lippe und Ems, der sich erst bei Delbrück verzweigte.

Wissen auch Sie etwas Kurioses über die Ems? Dann schreiben Sie uns.

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