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Kira Sabadschus will hoch hinaus
Die Lizenz zum Fliegen

Flieger mit Menschen

Kira Sabadschus nach der bestandenen Prüfung mit ihrem Prüfer Thomas Schelenz von der Bezirksregierung Münster am Flugplatz Paderborn. © Bezirksregierung Münster

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Es ist ein bewölkter Novembertag am Flugplatz Paderborn. Kaum Wind, die Wolken stehen hoch genug, die Sicht ist in Ordnung. Noch kurz das OK vom Tower abwarten und dann gehts los. Kira Sabadschus zieht sanft das Steuer – das Flugzeug steigt in die Luft. Es ist ihre „Gesellenprüfung“. Mit dabei ist Thomas Schelenz. Er ist Prüfer der Bezirksregierung Münster im Dezernat für Luftverkehr und entscheidet darüber, ob die 18-Jährige heute ihre Privatpilotenlizenz bekommt.

Vor dem Abflug wirkt Kira Sabadschus gut vorbereitet, aber auch ein wenig nervös. „Wenn ich im Flugzeug sitze, werde ich ruhiger. Da fühle ich mich wohl und weiß, was ich machen muss.“ Wenn die Detmolderin heute die Prüfung besteht, darf sie einmotorige Motorflugzeuge fliegen, zum Beispiel eine viersitzige Cessna 172, das Prüfungsflugzeug. Das Flugzeug heißt D-EGSC – nach dem Fliegeralphabet auch Delta Sierra Charly genannt.

Frau im Cockpit

Kira Sabadschus startet ihre Route am Flughafen Paderborn. © Bezirksregierung Münster

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Von der Segelfliegerin zur Verkehrspilotin

Die Faszination fürs Fliegen hat sie schon früh gepackt. „Als ich 13 war, hat mein Vater mich zum Flugplatz mit­genommen. An dem Tag bin ich zum ersten Mal im Segel­flugzeug geflogen und abends habe ich direkt den Antrag zur Ausbildung zum Segelfliegen unterschrieben.“ Um mit 13 Jahren Segel­fliegen zu dürfen, hat sie eine Sonder­genehmigung von der Bezirks­regierung Münster bekommen – mit Erlaubnis der Eltern. Denn regulär ist es erst ab 14 Jahren erlaubt. Sie will hoch hinaus. Dieses Jahr hat sie ihr Abitur gemacht und möchte nun Verkehrspilotin werden. Ihre Ausbildung macht sie in einer privaten Flugschule. Für ihren Traum hat sie einen Kredit aufgenommen und kellnert nebenbei in einer Kneipe.

Praktische Prüfung

Ihre Prüfung startet Kira Sabadschus heute mit ihrem Prüfer Thomas Schelenz am Flugplatz Paderborn. Bereits 115 Flugschülerinnen und Flugschülern hat die Bezirksregierung Münster in diesem Jahr praktisch geprüft. Für den Luftverkehr im westfälisch-lippischen Landesteil, also für die Regierungsbezirke Detmold, Arnsberg und Münster, ist die Bezirksregierung Münster zuständig. Welche Route Kira Sabadschus in ihrer Prüfung fliegen muss, hat der Prüfer ihr am Vormittag telefonisch durchgegeben. „Dadurch hat sie genug Zeit, die Route zu planen, aber auch keine Möglichkeit mehr, die Strecke mit ihrem Lehrer abzufliegen.“ Die Route verläuft über den Flugplatz Telgte, über das Funkfeuer Hamm und Oelde zurück nach Paderborn. Während des Flugs muss sie als Prüfling verschiedene Aufgaben erfüllen, wie zum Beispiel eine Notlandung üben, ein Durchstarten ohne Aufsetzen, Steilkurven und Kommunizieren über Funk. „Dabei achte ich besonders darauf, dass sie zum Beispiel den Kurs, die Flughöhe und die Geschwindigkeit innerhalb der zulässigen Toleranzen einhält“, erklärt Thomas Schelenz.

Theorieprüfung

Prüfer und Schülerin am Schreibtisch

Kira Sabadschus präsentiert dem Prüfer ihre Route, die sie am Vormittag vorbereitet hat. © Bezirksregierung Münster

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Bevor Kira Sabadschus ihre Prüfung starten durfte, hat sie trainiert – präzise Navigation, Anflüge auf fremde Flugplätze und ein Überlandflug von rund 270 Kilometern mit Zwischenlandungen. Ihre Theorieprüfung hat sie bereits im Oktober bestanden. In neun Fächern wurde sie geprüft von A wie Aerodynamik bis Z wie Zeugnis für Flugfunk. „Ich war gut vorbereitet. Man muss sich mehr hinsetzen und mehr lernen als beim Autoführerschein, aber eigentlich kann das jeder schaffen“, erklärt die Detmolderin. „Ich freue mich schon darauf, wenn ich von Detmold nach Paderborn mit dem Flugzeug fliegen statt mit dem Auto fahren kann. Mit dem Flugzeug bin ich viel schneller und es ist ein ganz anderes Gefühl sich fortzubewegen. So ungebunden.“ Flugschüler können sich entweder an einer gewerblichen Flugschule oder in einem Verein zum Piloten ausbilden lassen. Kira Sabadschus hatte die Flugstunden für das Motorflugzeug auch bei einer privaten Flugschule in Paderborn absolviert. Ganz nach der alten Fliegerweisheit „Fliegen heißt landen“, hat Kira Sabadschus das Starten und Landen ausgiebig geübt.

Die Lizenz

Nach knapp zwei Stunden hat Kira Sabadschus es geschafft. „Herzlichen Glückwunsch, Sie dürfen jetzt alleine weiterüben“, gratuliert ihr Prüfer Thomas Schelenz. Sichtlich erleichtert setzt sie ihre Kopfhörer ab und steigt aus dem Cockpit. Ihr Gesicht ist ganz rot vor Anstrengung. „Einfach war es nicht, aber es hat alles geklappt.“ Nach der Prüfung tankt sie das Flugzeug direkt wieder auf. Kurz darauf kommen ihre Flieger-Kollegen und fragen: „Und darf man gratulieren?“ Sie lacht.

Mit der Privatpilotenlizenz für die Cessna ist sie ihrem Traum Verkehrspilotin zu werden, einen großen Schritt nähergekommen. Jetzt kann sie aber schon mit dem Flugzeug zur Flugschule fliegen und Passagiere mitnehmen.

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